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Was man nicht so alles aus einer Kritik herausholen kann….


Man kennt das ja, dass sich Verlage aus den Besprechungen schlagkräftige Sätze herausfiltern, um diese zu Werbezwecken ihrem Produkt beizustellen. Das ist natürlich auch für den Rezensenten toll. Natürlich beschränken sich die Verlage dabei auf das Positive.

Was aber tun, wenn in der Besprechung keine Lobeshymnen zu verzeichnen sind? Früher bin ich davon ausgegangen, dass man da einfach hofft, dass die Verrisse so wenig wie möglich wahrgenommen werden und man beim nächsten Mal einfach positiver wegkommt.

Heute morgen erhielt ich den Hinweis, dass man auch ganz andere Möglichkeiten hat, um sogar aus übelsten Verrissen, toll klingende Werbung zu machen.

Bei einer Werbung (die nicht vom Label, sondern von einem Beteiligten an der Produktion auf dessen eigener Seite online ist) findet sich folgender Hinweis:

Vielversprechendes Sprecherensemble! Erzähler [...] gibt Vollgas! Qualitativ beste Musik- und Geräuschkulisse!
hoerspieltipps.net

Ich will, da weder das Label noch das Produkt hierfür geradestehen müssen, meine eigene Rezension nicht verlinken, möchte aber mal entgegenstellen, aus welchem Zusammenhang diese Sätze gerissen wurden. Zur besseren Vergleichbarkeit hab ich die Formulierungen in die Reihenfolge umsortiert, in der sie oben auftauchen:

Trotz vielversprechender Vorlage und Sprecherensemble ist diese Produktion leider eine der schlechtesten, die ich aus dem Hause [...] je gehört habe.

Egal, ob es im Hörspiel ruhig oder spannend zugeht – [Erzähler] [...] gibt Vollgas. Allein diese “Leistung” verdirbt leider das komplette Hörspiel.

Der qualitativ beste Punkt dieser Produktion ist das Thema “Musik- und Geräuschkulisse“. Hier arbeitet man auf dem soliden Niveau, anderer [...]-Produktionen. Auch wenn man meist überall ein Schippchen dazulegen könnte, insgesamt genügt die Untermalung, um die einzelnen Szenen ausreichend auszustatten.

Aber ich bin da kein Einzelfall. Über die hoerspielhoelle.de gibt es ähnliches zu berichten. Gleicher Ort, gleiches Produkt und die hoerspielhoelle hält es angeblich für

Eines der besten Hörspiele aller Zeiten!

Liest man an der Quelle selbst, hört sich das doch ein wenig anders an:

Liest man nur die Sprecherliste an sich, so könnte man durchaus meinen, dass es sich hier um eines der besten Hörspiele aller Zeiten handelt. Doch weit gefehlt,…

Dass man sich aus einer Rezension nur die Rosinen rauspickt, mag vertretbar sein. Allerdings sollten auch Rosinen drin sein!

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6 Kommentare

  1. Captain Blitz, 26. September 2009:

    Wer es nötig hat! Und in diesem Fall hatte es der werte Herr Autor dringend nötig. Wer das Hörspiel kennt und es gehört und gleichzeitig auch Ahnung von der Materie hat, der weiß wovon ich rede.

    Aber es gibt ja leider auch genug Jubelperser, die dieses “Werk” tatsächlich für pures Hörgold halten.

    Was freue ich mich auf die Titania-Fassung…


  2. irina, 26. September 2009:

    Das ist ja echt dreist! Und daneben so sinnentstellend, dass es ja fast schon eine Form von Urheberrechtsverletzung ist, oder?! ;)


  3. Aquarian, 26. September 2009:

    Oje, das ist ja echt dreist. Schon fast wieder bewundernswert, die Chuzpe. Könnt Ihr ihm die Verwendung Eurer Quelle in dieser Form nicht untersagen? Dass man sich einen *Satz* rauspickt, der gut klingt und gewisse Kritikpunkte wegläßt, mag ja noch angehen, aber so??


  4. acquire, 27. September 2009:

    Oha. Wusste gar nicht, dass dies auch im Hörspielsektor gemacht wird. Den letzten Auschnitt finde ich jedoch am lustigsten!


  5. Maltin, 1. Oktober 2009:

    dreist hoch zehn das ganze… gottlob hier öffentlich angeprangert und absolut zurecht zur Schau gestellt… wer dermaßen übel Kritik missbraucht, braucht sich nicht über Gegenwind wundern – es lebe die individuelle Interpretation (der Leser möge diesen Ausspruch sowohl sarkastisch, als auch ernsthaft deuten)


  6. Volker, 14. Oktober 2009:

    Wenn ich mich nicht sehr irre, ist das ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht. Zitat dürfen nur dann “gekürzt” oder “leicht verändert” werden, wenn dadurch der Sinn des Originals erhalten bleibt. Und das ist in diesem Fall ja nun in keinem Fall so.


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