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Fragen an Sven Schreivogel (Nocturna Audio)


Sven Schreivogel

Sven Schreivogel

Sven Schreivogel ist der Kopf des Labels Nocturna Audio. Er ist Jahrgang 1972, und hat neben seiner Arbeit als Journalist und Schriftsteller auch eine Schauspielausbildung absolviert. Sein fachliches Spezialgebiet sind die Hörspielproduktionen der Tonträgerindustrie.
Wir haben Sven Schreivogel einige Fragen geschickt, die er uns umgehend beantwortet hat.

An welchem Hörspiel/Hörbuch arbeitest du ganz aktuell?

SCHREIVOGEL: Im Moment arbeitete ich an keinem neuen Projekt. Ich bin nämlich damit beschäftigt, die aktuellen Produktionen „Der Hexer“, „Grobecks Grab“ und „Von nun an bitte ohne mich“ fürs Weihnachtsgeschäft zu platzieren. Übers Weihnachtsfest werde ich mit dem Manuskript zum nächsten Wallace-Hörspiel „Die Tür mit den sieben Schlössern“ beginnen.

“Edgar Wallace – Der Hexer” ist gerade frisch erscheinen. Warum ausgerechnet “Der Hexer”, von dem es bereits einige Vertonungen gibt und keine unbekanntere Wallace-Geschichte?

SCHREIVOGEL: Eigentlich ist diese Produktion eher durch Zufall entstanden. Nachdem ich fünf Jahre lang nichts geschrieben hatte – die meisten Nocturna-Titel stammen ja aus der Feder von Susa Gülzow –, juckte es mir im Herbst 2008 plötzlich in den Fingern, mich mal wieder selbst an die Tastatur zu setzen. Als großer Fan fiel meine Wahl auf Edgar Wallace, weil’s zu diesem Zeitpunkt keine zeitgemäße Hörspielfassung seiner Romane gab. Die Maritim-Produktionen knüpften ja vom Stil her an die zwölf Folgen von Achim Herwald aus den 1980er Jahren an. Ich wollte jedoch einen Wallace fürs 21. Jahrhundert, ohne das Werk unnötig zu modernisieren. Und zum „Hexer“ hatte ich sofort einen Draht, sprich: die meisten Ideen. Allerdings sollen auch Titel, die noch nicht als Hörspiel gemacht wurden, wie “Im Banne des Unheimlichen” und “Töchter der Nacht” in der Serie veröffentlicht werden.


Wie weit in die Zukunft habt ihr die “Edgar Wallace”-Reihe denn momentan geplant?

SCHREIVOGEL: Nun, fürs nächste Jahr ist wie gesagt erst mal „Die Tür mit den sieben Schlössern“ geplant. Für mich ist die Wallace-Reihe ein Projekt, das sich entsprechend der Hörer- bzw. Käuferresonanz entwickeln wird. Von meiner Seite aus spricht jedenfalls nichts dagegen, wenn’s zur zukünftigen Hauptserie von Nocturna Entertainment aufsteigt.


Ihr habt vor einiger Zeit die ersten drei Folgen von “Ron Kelly” wiederaufgelegt, die ja unter einigen Hörspiel-Fans eher als Trash angesehen werden. Wie steht ihr dazu? Warum habt ihr die Neuauflage in euer Programm integriert?

SCHREIVOGEL: Dan Shocker alias Jürgen Grasmück hatte schon lange den Wunsch, die alten Bänder zu digitalisieren und die Serie auf CD herauszubringen. Gemeinsam mit dem SDK Media Hörbuchverlag haben wir diesen Plan in die Tat umgesetzt – und es war die letzte Möglichkeit, die Aufnahmen vor den Zerfall zu retten. Ich selbst finde die Hörspiele von Rudi Leubner sehr amüsant. Natürlich sollte man die Abenteuer von Ron Kelly keinesfalls mit dem gleichen Anspruch wie die Europa-Klassiker „Larry Brent“ und „Macabros“ hören.


Lohnt sich eine solche Neuauflage denn eher als ein Hörspiel neu zu produzieren?

SCHREIVOGEL: Die Überspielung alter Aufnahmen nimmt normalerweise viel weniger Zeit in Anspruch, was sich unmittelbar auf die Herstellungskosten auswirkt. Eine Neuproduktion hat ein etwa zehnmal höheres Budget. Außerdem ist’s letztendlich ein Bewahren historischer Tondokumente. Ein Blick auf die Produkte der Kollegen von Europa und Maritim zeigt, dass wir mit diesem Konzept nicht allein auf dem Markt sind.


Auf euer Vorschauseite kann man bereits drei weitere “Ron Kelly”-Hörspielcover bewundern. Habt ihr schon einen groben Release-Termin angepeilt?

SCHREIVOGEL: Im Rahmen einer Umstrukturierung werden wir die zwei Reihen „Ron Kelly“ und „Sherlock Holmes“ zum 31. Dezember an den SDK Media Hörbuchverlag abgeben. Für die VÖ-Termine weiterer Folgen müsstet Ihr Euch bitte direkt an den Verlag wenden.

Die Reihe Gordon Black trifft auf einen Markt, der nicht gerade arm an ähnlichen Hörspielreihen ist. Was ist das Besondere an dieser Serie, das den Hörer überzeugen könnte, falls er eine Auswahl treffen muss, sich für Gordon Black zu entscheiden?


SCHREIVOGEL: Eine gute Frage! Es stimmt, dass das Markt im Allgemeinen und mit Horrorserien im Besonderen übersättigt ist. Allerdings ist „Gordon Black“ kein Horror, sondern tatsächlich ein guter, alter Gruselkrimi – und eine Hommage an die Hörspiele der 1970er und 1980er Jahre. Die Serie ist für die breite Masse produziert, inszeniert mit einem Augenzwinkern, ohne eine Parodie des Genres zu sein. Natürlich werden Horror-Puristen darüber eher die Nase rümpfen. Einer von ihnen schrieb mir sogar: „Na ja, vor Angst in die Hose geschissen habe ich mir nicht unbedingt!“ So war’s jedoch auch nicht gedacht.


Die drei nächsten Titel zu “Gordon Black” stehen ja bereits fest. Wie seid ihr denn mit dem Start der ersten drei Episoden zufrieden? (sowohl in Bezug auf Verkaufszahlen als auch in Bezug auf Feedback)

SCHREIVOGEL: Die Erstauflage war nach gerade mal zweieinhalb Monaten ausverkauft; die zweite Auflage wurde vor kurzem ausgeliefert. Das ist ein gutes Zeichen, obwohl die Kritiken ja eher durchwachsen waren. Es ist normal, dass sich eine Serie entwickelt. In der ersten Staffel gab’s noch ein paar Dinge, die auch aus meiner Sicht verbesserungswürdig sind. Zu lange Erzählertexte sind so ein Beispiel. Solche Sachen werden wir bei der Fortsetzung berücksichtigen. Insgesamt bin ich jedoch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist gute Unterhaltung.


Ihr habt ja auch einige Sherlock Holmes Titel im Programm. Wie nimmt der Markt solche Produktionen an, die nicht aus der Feder von Arthur Conan Doyle stammen?

SCHREIVOGEL: Für Holmes-Fans, die neues Futter brauchen, sind solche Abenteuer in der Tat eine Bereicherung – zumal Michael Hardwick, der den „Fluch von Baskerville“ geschrieben hat, dem Stil von Arthur Conan Doyle sehr nahe kommt. Problematisch ist eher das mp3-Format, das offensichtlich nicht so weit verbreitet ist, wie wir damals gedacht hatten.


Wie weit reichen denn eure aktuellen Planungen in Bezug auf Sherlock Holmes? Bis wann darf man da mit Nachschub rechnen?

SCHREIVOGEL: Auch dazu müsstet Ihr bitte die Kollegen vom SDK Media Hörbuchverlag fragen.


An Rezensenten werden bisweilen immer mal wieder Vorwürfe gerichtet, dass sie Hörspiele nur recht oberflächlich analysieren und besprechen würden. Wie ist dein Eindruck als Mann hinter den Kulissen, der du dich ja mit allen für das Endergebnis entscheidenden Detailfragen befassen musst. Ist das Feedback, das von den Rezensenten kommt eher hilfreich oder etwas, das man als ausführlichere Meinung unter vielen zur Kenntnis nimmt?

SCHREIVOGEL: Mit Rezensenten ist’s wie mit allen Leuten: Der eine Teil kann’s, der andere Teil kann’s nicht. Im Internet gibt’s viele ambitionierte Fanseiten, und diese Fans wissen, wovon sie sprechen – egal, ob’s positive oder negative Kritik ist. Allerdings gibt’s genau so viele selbsternannte „Experten“, die jede Produktion gut oder schlecht reden und deren Privatarchiv von meiner Firma und meinen Kollegen und Mitbewerbern gesponsert wird, weil wir ihnen Rezi-Exemplare zur Verfügung stellen. Ich meine, dass man Kritik auf jeden Fall ernst nehmen sollte, wobei „Echt klasse!“ oder „Echt scheiße!“ nicht wirklich konstruktiv sind. Manche Äußerung ist auch einfach nur falsch. In einer Rezension wurde „Gordon Black“ beispielsweise als Macabros-Plagiat dargestellt. Das ist natürlich völlig absurd. Zum einen stammen die Romanvorlagen aus der Feder von Horst Hübner und Wolfgang Rahn, zum anderen ist’s eine gewollte Hommage an den Stil von Charly Graul mit entsprechenden Zitaten.


Inwiefern unterscheidet sich für dich denn die Arbeit an einem Hörspiel von der an einer Lesung?

SCHREIVOGEL: Zuerst mal vom Manuskript her; das ist fürs Hörspiel ganz anders aufgebaut. Wenn’s eine inszenierte Lesung ist, wo ein Sprecher die Charaktere mit verschiedenen Stimmen anlegt, empfinde ich’s als Regisseur viel anstrengender als die Arbeit mit mehreren Sprechern, wie’s im Hörspiel üblich ist. Eine gleiche Laufzeit vorausgesetzt, kommen beim Hörspiel noch die Geräusch- und Musikunterlegung sowie die Mischung dazu. Ist das Hörbuch länger (eine Doppel-CD oder eine 3er bzw. 4er Multibox), kann sich der Zeitfaktor wieder relativieren. Mir selbst gefällt eher die Produktion eines Hörspiels, weil’s für mich abwechslungsreicher ist.


Was ist erfolgreicher?

SCHREIVOGEL: Ein klarer Fall: das Hörspiel!


Hast du eine Lieblingsstimme / eine(n) Lieblingssprecher(in)?

SCHREIVOGEL: Von den Sprechern, mit denen ich regelmäßig zusammen arbeite, gefallen mir alle Stimmen. Außerdem sind’s nette Typen, zu denen sich mitunter echte Freundschaften entwickelt haben. Ein Grund, weshalb ich zum Beispiel Wolf Frass, Martin Heckmann und Stephan Schwartz immer wieder besetzen würde. Aber natürlich gibt’s auch so was wie „Helden der Kindkeit“, mit denen ich aufgewachsen bin. Dazu gehören unter anderem Horst Frank, Rolf Jülich und Peter von Schultz.


Vielen Dank für das Interview.


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1 Kommentare

  1. hoerspielkritik, 11. Dezember 2009:

    Interview mit Sven Schreivogel (Nocturna Audio) -> http://bit.ly/7uC9gF

    This comment was originally posted on Twitter


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