Das Hörspieljahr 2009 – Teil 2: April – Juni
Hier der zweite Teil meines Jahresrückblicks – die Monate April bis Juni:
April 2009
Auch im April gab es eine große Preisverleihung im Hörspielbereich: In Essen wurde zum dritten Mal der Ohrkanus verliehen. Gerade, weil ich diesmal nur als Gast dabei war und mich daher von den Ergebnissen überraschen lassen durfte, war die Verleihung so richtig spannend. Lutz Riedel als Moderator und viele Laudatoren und Preisträger sorgten für eine würdige und erinnerswerte Veranstaltung. Hier findet ihr meinen Bericht zur Verleihung.
Mit der fünften Folge der “Wallander”-Reihe hat der hörverlag eines der besten Hörspiele des Jahres veröffentlicht. “Der unsichtbare Gegner” wurde unglaublich packend von Sven Stricker inszeniert.
Es sollte ein qualitativ guter Hörspielmonat werden, denn auch im Radio gab es Hörenswertes. 
Der NDR hat mit Sally Nicholls “Wie man unsterblich wird” ein sehr bewegendes Hörspiel produziert, dass auch umgehend bei Igel Records veröffentlicht wurde.
Beeindruckend auch die Gemeinschaftsproduktion von hr, SWR und WDR: Wolfgang Koeppens “Trilogie des Scheiterns” – Drei Hörspiele, die ein besonderes Bild der Nachkriegszeit in Deutschland ohne jegliche Wirtschaftswunderverklärtheit transportierten.
Auch das vielleicht größte Hörspielereignis des Jahres startete im April: Der WDR sendete das Hörspiel nach Ken Follets “Die Tore der Welt” in einer zehnteiligen Hörspielfassung. Die Produktion erschien im August bei Lübbe Audio. Auch wenn der Inhalt vielleicht etwas zu “soapig” war, die monumentale Umsetzung suchte in diesem Jahr ihres Gleichen.
Von vielen mit Spannung erwartet: Der Neustart der Reihe “Offenbarung 23″, nach der Gerüchte umwitterten Trennung zwischen Lübbe Audio und Autor Jan Gaspard. Meines Erachtens kam die Reihe damit vom Regen in die Traufe. Man schaffte hier einen komplett neuen – und leider albernen – Serienrahmen und setzte die gewohnten Sprecher in neuen Rollen ein. Das roch leider nach einem zu bemühtem Versuch, die Reihe am Leben zu halten und gleichzeitig möglichst eventuellen Urheberrechtsansprüchen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn sich der Stil in den späteren Folgen etwas beruhigte, richtig überzeugend wurde die Reihe in 2009 nicht mehr, und sie gehört damit leider für mich zu den Enttäuschungen des Jahres.
Freuen konnte man sich im Hause Lübbe Audio dagegen sicherlich über das John Sinclair Jubiläum; Im April erschien die 50ste Folge: Zombies in Manhatten. Der Geisterjäger ist auch nach sieben Jahren noch eine Macht im Hörspieldschungel und so ziemlich der Einzige, der in Sachen Chartplatzierungen auch mal eine Folge der “Drei ???” vom Podium schubsen kann.
Der April brachte auch einige neue Serien. maritim warf drei Neulinge auf den Markt: “S. I.”, “Raumstation Alpha Base” und “Die Morde des Émile Poiret”. Während die beiden erstgenannten vom Start weg eine recht ordentliche Figur machten, konnte mich Hercule Poiret in den vier Folgen, die im Laufe des Jahres erschienen, kaum begeistern.
Verstorbene im April 2009
19.04.2009: James G. Ballard, *15.11.1930, britischer Autor (Hochhaus, Karneval der Alligatoren)
Mai 2009

Im Mai tauchte die erste Folge von “The Satchmo Trilogy” auf. Das Hörspiel hatte zwar noch seine Macken, zeigte aber schon ordentlich viel Potential und versprach, eine richtig originelle Reihe zu werden. Tatsächlich wurde es auch bereits mit Folge 2 deutlich besser. Das Label “fünf59″ schaffte es sogar, noch in 2009 insgesamt vier Folgen vorzulegen.
Ein weiteres Hörspiel, das sich still und heimlich auf den Markt geschlichen hatte, war “Morland – Die Rückkehr der Eskatay”. “headroom” hat den gleichnamigen Roman von Peter Schwindt von Leonhard Koppelmann inszenieren lassen. Die Qualität stimmte und so wurde diese Produktion auch prompt zu meinem Highlight – zumindest im “kommerziellen” Bereich – des Monats Mai.
In meiner Gunst knapp dahinter rangierte die neue Serie aus dem Hause “Delicious Media”: “Traumwandler” erschien mit zwei Folgen und zeigte, dass man – nach den eher durchwachsenen Zamorra-Hörspielen – durchaus in der Lage ist, richtig gute Produktion vorzulegen.
Im Radio gab es nämlich auch einige sehr überzeugende Ursendungen: Beispielsweise “Öland” nach Johan Theorin. Der DLR zeigte hier mal wieder, dass er, was Krimineuproduktionen betrifft, derzeit qualitativ das Maß aller Dinge ist. Bei den entsprechenden Ursendungen im Jahre 2009 gab es, bis auf eine einzige Ausnahme, nur empfehlenswerte Produktionen.
Eine tolle Produktion legte auch der NDR mit “Superhero” vor. Das Hörspiel nach dem Roman von Anthony McCarten packt den Hörer von der ersten Minute an und lässt ihn auch nach Verklingen des Abspanns nicht mehr los. Für mich eines der Highlights des Jahres!
“Vertigo – Aus dem Reich der Toten” – Die Hörspielfassung des Romans von Pierre Boileau und Thomas Narcejac, der durch die gleichnamige Hitchcock-Verfilmung Berühmtheit erlangte, sollte im Mai urgesendet werden. Leider wurde der Termin auf unbestimmte Zeit verschoben – Das Hörspiel ist bis heute nicht ausgestrahlt worden. Schade für die Hörer, denn die Produktion wäre schon eine Empfehlung wert gewesen.
Dafür kehrte aber Dickie Dick Dickens zurück. Von den Geschichten von Rolf und Alexandra Becker hatte auch Radio Bremen 1960 eine Fassung erstellt, deren erste Staffel verschollen ist. Fast 50 Jahre später hat sich der Sender nochmals daran gesetzt, diese fehlenden Folgen neu zu produzieren. Mit einem großartigen Ensemble (u. a. Konstantin Graudus, Jürgen Thormann, Bastian Pastewka) war diese zwölfteilige Serie ein echter Ohrenschmaus.
Um nochmal auf Offenbarung 23 zurückzukommen: Der WDR hat im Mai mit der Ursendung des Hörspiels “Terrorspiele” gezeigt, wie man das Thema Verschwörungstheorien adäquat in ein Hörspiel packen kann.
Verstorbene im Mai 2009
01.05.2009: Fred Delmare, *24.04.1922, deutscher Schauspieler (rund 40 Hörspielproduktionen für den Rundfunk der DDR, MDR u. a.)
04.05.2009, Gisela Stein, *02.10.1935, deutsche Schauspielerin (rund 30 Hörspielproduktionen für diverse ARD-Sender)
04.05.2009, Fritz Muliar, * 12.12.1919, österreichischer Schauspieler (rund 30 Hörspielproduktionen, hauptsächlich für den ORF)
22.05.2009, Alexander Grill, *1938, österreichischer Schauspieler (rund 50 Hörspielproduktionen für diverse ARD-Sender)
23.05.2009, Barbara Rudnik, *27.07.1958, deutsche Schauspielerin (div. Hörspiele für den WDR)
25.05.2009, Alfred Cerny, *1927, deutscher Schauspieler (div. Hörspiele, hauptsächlich für den BR)
Juni 2009
Auch im Juni gab es neben der Fortführung bereits etablierter Reihen auch ein paar erwähnenswerte Neustarts. Nach einer recht langen Ankündigung erblickte so zum Beispiel ein weiterer Geisterjäger das Licht der Hörspielwelt. Mit Gordon Black schickte Nocturna Audio nun auch einen “Groschheftgrusler” ins Hörspielgeschehen. Die ersten drei Folgen, die zeitgleich erschienen, waren doch eher durchwachsen. Dass es inhaltlich nicht besonders innovativ zugeht, war in diesem Genre zu erwarten, allerdings hinkte auch die Umsetzung den Marktbegleitern deutlich hinterher. Keine der drei Episoden konnte so richtig überzeugen, hoffen wir, dass die zweite Staffel in 2010 diese Scharte auswetzen kann.
Deutlich positiver trat der Output der audiowerkstatt köln im Juni auf. Mit der ersten Folge “Freelancer” konnte man schon ein überzeugendes Hörspiel vorlegen, das die sehr ordentlich produziert, actionreich und spannend war. Einziges Manko, die Folge droht ein Einzelkind zu bleiben. Sollte sich kein Sponsor finden, wird die Freelancer wohl alleine im Regal bleiben. Leider nicht die erste Serienbaustelle bei der audiowerkstatt köln.
Highlight in diesem Monat war der (vorläufige) Abschluss der Reihe “Mitschnitt”. Zwar dürfte “Die Séance” nicht das Highlight innerhalb der vier Folgen sein, es genügte aber, um sich im Juni gegenüber der soliden, aber ansonsten höhepunktlosen Veröffentlichungen durchzusetzen.
Im Radio gab es auch Hörenswertes, unter anderem “Der Russe aus Nizza”. Der NDR hat den Roman von Leif Davidsen als Zweiteiler produziert. Inszeniert wurde dieses Hörspiel von Sven Stricker.
Auch das DLR Kultur zeigte mit den Zweiteiler “Der Schatten des Meisters” nach Marc Buhls Roman “Der rote Domino” sein derzeit goldenes Krimihändchen.
Beeindruckt hat mich auch das Hörspiel “Hungern und freten”, das – wie der Name schon erahnen lässt – in plattdeutscher Mundart inszeniert wurde. Das Thema Magersucht wird hier in einer sehr glaubwürdigen Geschichte behandelt.
Seltsamerweise fiel diese Ursendung auf den gleichen Tag, als auch SWR 4 eine sehr interessante Mundartursendung im Programm hatte. “Das Heidenloch” war insofern ungewöhnlich, als dass hier ein recht trashiges Gruselhörspiel zu hören war, ein eher seltener Gast im öffentlich rechtlichen Rundfunk.
Eine Nachricht aus dem Juni durfte vor allem die Fans von Mark Brandis freuen. Folgenreich kündigte an, die Reihe künftig mit ins Programm zu nehmen. Nach dem Wechsel sollten künftige Abenteuer auch in längeren Fassungen erscheinen. Bereits im Oktober ging dann “Testakte Kolibri” als Doppelfolge an den Start.
Der Juni gehörte natürlich auch der “Hörspiel2009″. Die Messe fand zum zweiten Mal im Hamburger Hühnerposten statt und war – so die Veranstalter – erneut ein großer Erfolg.
Verstorbene im Juni 2009
09.06.2009, Karl-Michael Vogler, *28.08.1928, deutscher Schauspieler (rund 100 Hörspielproduktionen für diverse ARD-Sender)
12.06.2009, Christel Peters, *15.01.1916, deutsche Schauspielerin (div. Hörspiele für den Rundfunk der DDR)
16.06.2009, Anna Elisabeth Wiede, *20.12.1928, deutsche Autorin (div. Kinderhörspiele für den Rundfunk der DDR)
16.06.2009, Celia Fremlin, 20.07.1914, englische Autorin (Hörspiele für DRS und BR)
19.06.2009, Jörg Hube, 22.11.1943, deutscher Schauspieler (mehr als 60 Hörspiele für div. ARD-Sender)
24.06.2009, Claus Eberth, 21.09.1934 (Hörspiele für mehrere ARD-Sender)
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Zuletzt aktualisiert am 1. Januar 2010




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