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Das Hörspieljahr 2009 – Teil 4: Oktober – Dezember


Leider etwas verspätet: Der vierte Teil des Rückblicks auf das Hörspieljahr 2009:

Oktober 2009

Im Oktober ging der Weihnachtstrubel munter weiter und wurde noch um den Buchmesse-Veröffentlichungsrummel ergänzt. Rund 70 Neuerscheinungen tauchten im Handel auf. Darunter fanden sich auch einige Überraschungen. Zum Beispiel zog die Lauscherlounge mit “Plan B” einen heißen Kandidaten für das Hörspiel des Jahres aus dem Hut. Ivar Leon Menger hat hier einen pointierten und gut produzierten Thriller vorgelegt.

Positiv überrascht wurde man auch von der Reihe “Nachtmahr” aus dem Hause “Wolpertinger Hörbücher”. Mit zwei Folgen sehr atmosphärisch inszenierter Gruselkost, die zudem noch in sehr ansprechenden Design erschien, setzt man schon einen besonderen Akzent im dichten Gruselgenre. Ein Interview mit Max von Werder, dem Produzenten der Reihe, findet ihr hier.

Durchwachsener zeigte sich da der Serienauftakt zur “Wolf-Gäng”. Vier Hörspiele aus der Feder von Wolfgang Hohlbein erschienen in einer Gemeinschaftsproduktion von Lübbe Audio und EMI Happy Kids. Während die Auftaktfolge noch recht originell wirkte, ging es ab Folge 2 leider nur noch recht durchschnittlich zu.

Dass man die junge Zielgruppe besser mit Gruselgeschichten unterhalten kann zeigten der NDR und der Jumbo-Verlag mit der Produktion von Cornelia Funkes “Gespensterjäger auf eisiger Spur”.

Etwas hinter den Erwartungen zurück blieb Zaubermond Audio mit der Hörspielfassung von Kai Meyers “Die Geisterseher”. Die Produktion war zwar nicht schlecht, an die tollen Umsetzungen von “Dorian Hunter” und “Leon Traumgänger” konnte man aber nicht herankommen.

Von den bereits bekannte “Gesichtern” sind mir die Staffel “Anne in Windy Poplars” und die Doppelfolge “Mark Brandis – Testakte Kolibri” positiv aufgefallen, wenngleich man von beiden inhaltlich schon Besseres gehört hatte.

Im Radio überraschte der NDR erneut mit einer großartigen Produktion: “Leben und Schicksal” nach Wassili Grossmann gehört auf jeden Fall zu den Top-Produktionen des Jahres. Auch für jüngere Ohren gab es – neben den bereits erwähnten Gespensterjägern – eine weitere sehr empfehlenswerte Produktion: “Das Mädchen, das Löwen sah” – auch wenn es am Ende vielleicht ein bisschen zuviel Happy End war, hat sich dieses Hörspiel doch auch einen vorderen Platz in meiner Hitliste des Jahres erorbert.
Auch ein alter Bekannter aus den Verkaufsregalen tummelte sich im Oktober im Radio. Der Jugendsender SWR-DASDING brachte die ersten neun Folgen der Reihe “Caine”.

Verstorbene im Oktober 2009

05.10.2009, Heide Oetinger, *19.11.1908, Verlegerin (ehem. Leiterin der Verlagsgruppe Friedrich Oetinger)
11.10.2009, Veronika Neugebaur, *27.11.1968, deutsche Schauspielerin (div. Hörspielrollen, “Gaby Glockner” in der Reihe “TKKG” – Nachruf von Daniel Merk)
14.10.2009, Simone Frost, *22.04.1958, deutsche Schauspielerin (verschiedene Hörspielrollen in Produktionen div. Sendeanstalten)
18.10.2009, Barbara Ratthey, *1940, deutsche Schauspierlin (viele Hörspielrollen u. a. “Lady Bedfort”, insbesonder auch bekannt als deutsche Stimme der Schauspielerin Estelle Getty alias Sophia in Golden Girls)
23.10.2009, Ferdinand Dux, *21.02.1920, deutscher Schauspieler (zahlreiche Hörspiele für Europa, NDR oder auch RB)

November 2009

Der November begann mit einem merkwürdig traurigen, aber werbewirksam inszenierten Serienende. “Caine” machte nach 10 Folgen die Biege. In “Apokalypso” hauchte der Serienkiller sein Leben endgültig, aber mit einem tollen Finale aus.  Natürlich werde ich ihn vermissen, aber immerhin hinterlässt er eine wirklich erstklassige Hörspielreihe, die zwar polarisiert, aber auf jeden Fall die letzten Hörspieljahre um eine interessante Facette bereichert hat.

Das Label Dreamland Production startete eine neue Reihe: “Dreamland Action” – unter diesem Namen sollen verschiedene Unterserien ihre Heimat finden, die – wie der Name schon sagt –  sich etwas im Action-Genre tummeln. Die kam bei der ersten Folge “Agent Smith” vielleicht noch etwas kurz, dafür gab’s einen ganzen Sack voll Anspielungen auf Larry Brent – sehr positiv ist, dass man sich, was die Produktion betrifft, qualitativ wieder etwas nach vorne bewegt hat.

Ebenfalls neu am Markt tauchte das Label Contendo Media mit zwei Folgen ihres “Team Undercover” auf. Der Titel riecht zwar ein bisschen nach “Team X-Treme”, inhaltlich bewegt man sich doch eher im Bereich der üblichen Detektivgeschichten für Jugendliche. Leider konnte man mit dem Auftakt “Der Fluch des Anubis” nicht so ganz überzeugen, da die Qualität der Produktion doch eher durchwachsen war. Allerdings ging es mit Folge 2 “Die Halskette” schon ein deutliches Stück nach oben, so dass man auf die weiteren Episoden doch durchaus gespannt sein darf. Für den Hörspielblog standen uns übrigens die Macher Rede und Antwort.

Ebenfalls im Interview hatten wir Marc Fehse von Phasenmusic, die mit “Feeder – Schrei der Angst” ihren Hörspiel-Erstling vorlegten, einen sehr derben Thriller, der die Nähe und Herkunft des Labels von und zu Filmprojekten nicht verleugnen konnte.

Eine interessante Produktion kam aus dem Hause Schall & Wahn – Die Hörbuchschmiede, mit Hörspielarchiv-Affinitäten hat sich einem besonderen O-Ton-Projekt angenommen: Die Original-Tonspuren von “Raumpatrouille Orion” wurden um den Erzähler Andreas Fröhlich ergänzt und damit den Abenteuern ein ganz neues Leben eingehaucht. Produzent Thomas Krüger sprach mit uns hier im Blog über dieses Projekt.  

Zu den Highlights des Monats dürften die beiden Gruselkabinett-Folgen von Titania Medien gehören. Mit “Die Spinne” und “Der Tempel” brachte man zwei sehr gute Episoden auf den Markt, nachdem es in den Folgen zuvor in Bezug auf die grusligen Aspekte es doch etwas dezenter angehen gelassen hat.

Ein guter alter Bekannter kam urplötzlich und in kleiner CD-Auflage auch wieder zurück. Holger, die Hörspielgurke durfte somit nicht nur als Downloadversion Australien unsicher machen. Im Januar wird es sogar zwei Live-Hörspielvorführungen dieses Stücks in Osnabrück geben.

Im Radio gab es natürlich auch Interessantes. Formal gesehen war “13″ eine Auffälligkeit: In 13 Episoden à 13 Minuten erzählte man eine Geschichte rund um die Zahl 13. Leider war das Ergebnis nicht annähernd so gut wie die Idee. Deutlich interessanter fand ich Thilo und Simon Gosejohanns dritten Hörspielstreich um Action Jackson und Atlas mit dem Titel “Operation Baader Heino Komplex” – Ein Titel der schon verrät, dass es hier alles andere als bierernst zugeht.
Ebenfalls ein Hörspiel-Highlight des Jahres: “Die Frau ohne Körper”. Der SWR hat hier einen sehr hintergründigen und sehr beklemmenden Krimi nach einer Geschichte von Mate Matišic inszeniert.

Auch für kleinere Ohren gab es Hörenswertes im Radio, insbesondere fiel hier die WDR-Neuproduktion von “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer” als sechsteilige Hörspielfassung positiv auf.

Im November fanden auch wieder die ARD-Hörspieltage in Karlsruhe statt. Vom 4. – 8.11. drehte sich rund um das ZKM alles ums Thema Hörspiel. Den Kinderhörspieltag haben wir besucht – unseren Bericht findet ihr hier.

Für den Blog haben wir auch ein Interview mit Tom Kerblau geführt, dem Autor der im November erschienen TKKG-Folge “Der Unsichtbare”.

Verstorbene im November:

06.11.2009, Günter Naumann, *17.11.1925, dt. Schauspieler (mehr als 40 Hörspiele meist für den Rundfunk der DDR)
07.11.2009, Gerd Mayen, *03.02.1929, dt. Schauspieler (viele Hörspiele für div. Sendeanstalten)

Dezember 2009

Der Dezember ist, was die Zahl der Hörspielveröffentlichungen angeht, eher eine dürre Zeit. Das war in diesem Jahr zwar auch so, allerdings tummelte sich dort viel Neues.

Unter anderem gab sich pop.de eine neue Aufgabe. Man fungiert jetzt auch als Label und hat ein paar kleinere Hörspielschmieden unter die Fittiche genommen. Nachdem man schon längere Zeit mit Pandoras Play intensiv zusammengearbeitet hat, fand sich auch im Dezember das neue Label “Innovative Fiction” und “Monaden Records” bei pop.de wieder.
Hinter “Innovative Fiction” stecken die ehemaligen Mindcrusher Falk T. Puschmann und Dennis Schuster, die mit ihrem Erstling “Experiment Zero” so gleich einen sehr beachtenswerten Einstand feierten. Mit “Monaden III” meldete sich Patrick Neukäter – sechs Jahre nach “Monaden II” -  zurück. Dank pop.de wurde es möglich, dass auch der dritte Teil der Reihe Monaden auf CD veröffentlicht wurde.

Auch Nocturna Audio meldete sich im Dezember nochmals und legte mit “Der Hexer” eine Hörspielbearbeitung der berühmten Vorlage nach Edgar Wallace vor. Man erzählt den Krimi zwar sehr solide, bringt ihn – zumindest musikalisch – in einem etwas modernerem Gewand, dennoch fehlte mir hier ein wenig das Besondere, das diese Produktion von anderen Umsetzungen des Themas unterschied.

“Lady Bedfort” musste sich nach dem Tod von Barbara Ratthey neu aufstellen. Im Dezember kamen die ersten Folgen mit Waltraut Habicht als neue Stimme in der Titelrolle. Auch wenn man vor der Veröffentlichung zweifelte, ob man das Fehlen der markanten Stimme Barbara Rattheys kompensieren konnte, zeigte sich schnell, dass diese Sorgen unbegründet waren.

Im Radio konnte mich erneut der WDR mit Hörspielursendungen überzeugen. Zum einen legte man mit Paul Plampers neuem Werk “Der Assistent” eine sehr hörenswerte Produktion vor, zum anderen sorgte man mit der Produktion “Das Haus” für ein Hörspielereignis der besonderen Art. Drei Fassungen, die eine Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählen, wurden simultan gesendet und der Hörer hatte die Möglichkeit zwischen diesen Hörspielen hin- und herzuschalten, um sich so seinen eigenen Mix zu kreieren. Eine tolle Idee, in einer erstklassigen Umsetzung!

Verstorbene im Dezember

24.12.2009, Aiga Rasch, 09.07.1941, dt. Illustratorin (u. a. Erfinderin des Designs der “Drei ???”)

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4 Kommentare

  1. hoerspiel3, 14. Januar 2010:

    Dann bin ja jetzt ich als nächstes dran. Wird aber wohl auch noch ein paar Tage dauern, bis das fertig ist…

    Bei der Einschätzung zu den Geistersehern kann ich dir aber nicht so ganz zustimmen. Für mich ein Hörspiel, das durchaus mit Dorian Hunter und Leon Traumgänger mithalten kann.


  2. hoerspieltipps, 15. Januar 2010:

    Das Hörspieljahr 2009 – Teil 4: Oktober – Dezember | HOERSPIEL³-Blog http://tinyurl.com/ydwxkyj

    This comment was originally posted on Twitter


  3. hoerspieltipps, 15. Januar 2010:

    Das Hörspieljahr 2009 – Teil 4: Oktober – Dezember | HOERSPIEL³-Blog http://tinyurl.com/ydwxkyj

    This comment was originally posted on Twitter


  4. Matthias Hagedorn, 20. Januar 2010:

    Mir fehlen die »Vignetten«, ein Hörspiel bei dem sich die Wellenbewegungen der Flüße Rhein und Nil in sinnlich geschwungene Bögen des Gesprochenen transportieren.

    Aus einem musikalischen Einfall heraus entwickelt Tom Täger ein 24teiliges Stück. Der Hörspielkomponist verarbeitet das Thema dabei unterschiedlich, in Sequenzen, Transpositionen und Diminutionen kommen seine Inventionen zu den Vignetten daher. Kontraste sind für Tom Täger selbstverständlich, die schwelgerische Melancholie gedeiht direkt neben krassen Dissonanzen, und die Intensität des Schrillen verstärkt diejenige des Stillen. Seine Komposition lebt von Polymetriken und Polyphonien. Die Vertonung Tägers fügt sie – mit allen Kontrasten von Tempoverläufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen – über die Wortbedeutungen hinweg zu einer einleuchtenden Zyklik. Die Klänge und Strukturen sind eigenartig: ähnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuhören führte an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Oft gibt es das Missverständnis, Energie gleich Lautstärke. Intensität steckt auch in extrem ruhiger und gleichförmig fließender Energie, quasi im Nichts. In der Hörspielmusik dieses Soundtüftlers gibt es extrem leise Stellen. Und trotzdem ist da unentwegt ein Energiefluss spürbar, es brodelt etwas.

    Bei der Umsetzung der »Vignetten« möchte man jedem einzelnen Wort hinterher lauschen. Hier entsteht etwas, das am ehesten als eine Art assoziativer Klangraum bezeichnet werden könnte, ein schwer zu fassendes Phänomen, das eng mit der offensten aller Künste, der Musik, verwandt ist.

    Matthias Hagedorn

    »Vignetten«, Novelle von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2009 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover

    Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

    Hörprobe auf«: http://www.hoerspielprojekt.de/MetaPhone/


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