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Der Hörspieljahresrückblick 2009 von hoerspiel3


Betrachtet man sich einmal nur rein den Output an Hörspiel-Neuerscheinungen des Jahres 2009, dann ist von einer Krise diesbezüglich wahrlich nichts zu spüren. Selten drängten so viele neue Serien auf den Markt. Ob sich diese alle dauerhaft dort halten können, wird sich aber erst zeigen müssen.

Bekanntlich ist Quantität aber nicht immer gleich Qualität und so war natürlich längst nicht immer alles Gold, was von den Labels so glänzend angepriesen wurde. Im folgenden möchte ich einen persönlichen Rückblick auf Highlights und Enttäuschungen des vergangenen Jahres werfen. In erster Linie in Hinblick auf kommerzielle Hörspiele, aber durchaus auch mal mit Blick auf die Hörspielszene im Netz.

Tja, wo fängt man da bei der Vielzahl an erschienen Hörspielen an. Da ist es schon gar nicht mehr ganz leicht, sich wirklich alles gleichzeitig ins Gedächtnis zu rufen. Monatsweise vorzugehen würde bei mir wohl zu mehr Chaos führen, als sich thematisch entlangzuhangeln, also gehts im folgenden zumindest gefühlt etwas kreuz und quer zu. Ich hoffe mal, so nichts wirklich wichtiges zu vergessen. Ansonsten gibts dazu eben mal noch eine extra Kolumne. ;)

Jetzt aber genug der Vorrede. Let it start…

… und das tue ich mit den wohl traurigsten Meldungen des Jahres 2009. Gleich mehrere bekannte Hörspielsprecher sind in diesem Jahr verstorben. Darunter manche, die nun wirklich noch nicht in einem Alter waren, in dem man das ganze halbwegs als den normalen Lauf der Zeit bezeichnen kann. Wobei selbst das die Trauer natürlich keineswegs schmälern kann.
Hans-Werner Bussinger, Barbara Ratthey und Veronika Neugebauer sind diejenige, die mich am meisten bewegt haben. Da die letzteren bedeutsame Hauptrollen gesprochen haben, bedeutete das für diese Serie natürlich große Veränderungen. Für Lady Bedfort haben Dennis Rohling und Michael Eickhorst mit Waltraut Habicht sehr guten Ersatz gefunden. Auch wenn ich mir die Reihe anfangs ohne die prägnanteste Stimme von Frau Ratthey nur schwer vorstellen konnte, so hat es Waltraut Habicht mit ihrer Interpretation der Rolle doch sehr schnell geschafft, mich zu überzeugen.

Bei TKKG ist die Zukunft noch nicht ganz so sicher. Man hat mit Rhea Harder für Folge 167 zwar zunächst eine gute Nachfolge gefunden, doch ob sie auch weiterhin in dieser Rolle aktiv bleibt, ist noch nicht entschieden. Zu wünschen wäre es jedenfalls. Denn ein weiterer Wechsel wäre gewiss nicht das Optimale. Und in “Der Unheimliche” hat sie ihre Aufgabe in meinen Augen doch sehr souverän bewältigt.
Bei TKKG gab es in diesem Jahr aber noch weitere größere Veränderungen. So “erstrahlt” die Serie nun nach 167 in einem völlig neuem optischen Gewand. Zumindest die neuen Hörspiele, die Bücher und auch die alten Hörspielepisoden sind davon momentan noch nicht betroffen. “Erstrahlen” ist allerdings wohl weniger der passende Begriff. Vor allem für langjährige Sammler hat das ganze doch einen eher faden Beigeschmack. Mit einer Änderung rein der Coverillustrationen selbst hätte sich für viele wohl leichter leben lassen. Das Ziel vermehrt auch eine jüngere Generation anzusprechen ist zwar sicherlich nachvollziehbar, nur dürfte strittig sein, ob man das wirklich schafft, indem man die alten (optischen) Erkennungsmerkmalen nahezu vollständig über Bord wirft. Man wird sehen…
Viel wichtiger als das Äußere ist jedoch das Innere. Und auch diesbezüglich gibt es Interessantes zu vermelden und betrifft wiederum Folge 167. Tom Kerblau liefert mit dieser Episode seinen ersten Beitrag zur Serie ab. Nachdem es mit Buchvorlagen im zurückliegenden Jahr sehr ruhig war, erschienen vor allem Hörspielskripte aus der Feder von André Minninger. Mit Höhen und Tiefen, insgesamt aber eindeutig mehr Höhen. Seit dem Tod von Stefan Wolf geht es jedenfalls qualitativ durchaus bergauf – mal sehen, ob sich dieser Trend mit dem neuen Autor verstärkt fortsetzt. Der Erstling Kerblaus war jedenfalls nicht verkehrt, leidet aber an der momentan noch fast alle neuen TKKG-Folgen betreffenden Längen-Krankheit. Hier darf man sich, insbesondere angesichts der eher dünn gehaltenen Storys gerne mehr an der Aufbereitung der Klassiker orientieren.

Um direkt bei den großen Europa-Serien zu bleiben: Die drei ???. So wirklich aufregendes gibt es hierbei aber eher nicht zu vermelden. Die beste Folge des zurückliegenden Jahres war für mich “Der Fluch des Drachen“, aber auch die war nicht von so umwerfender Qualität, dass sie maßgebliche Chancen hat, in den Jahresspitzenpositionen irgendwo oben aufzutauchen. Der Rest versinkt mehr oder weniger im Mittelmaß. Insofern sind es die drei ??? rein qualitativ betrachtet eigentlich nicht unbedingt wert, überhaupt großartig Erwähnung in diesem Rückblick zu finden. Nichtsdestotrotz, sieht man sich die Positionen an, welche jede neue ???-Episode kurz nach Erscheinen in den MTV-Hörspielcharts einnimmt, dann erfreut sich die Reihe weiterhin großer Beliebtheit. Wobei man sich diesen Bonus natürlich auch über viele Jahre erst hat erarbeiten müssen.

Eine große Veränderung macht auch die Serie “Offenbarung 23” durch. Nach der Trennung von Jan Gaspard werden die Drehbücher nun von einem nicht angeblichen Autorenduo weitergeführt. Wer hinter Devon Richter und Nikola Frey steckt, lässt sich erahnen. Die Chancen die sich mit diesem Neustart ergeben haben, waren groß. Konnte Gaspard vor allem mit seiner Rahmenhandlung und manchen zu monologlastigen und damit sehr langatmigen Episoden nicht immer bei mir punkten, war die Hoffnung auf eine Fokusverlagerung in Richtung spannende neue Verschwörungsthriller durchaus existent.
Diesem Anspruch allerdings wird die Reihe leider in keinster Weise gerecht. Die Rahmenhandlung mit den ganzen Pseudoagenten und Geheimdiensten, die so geheim sind, dass sie jedem dahergelaufenen über ihre wahre Identität aufklären, ist einer gewissen Grundernsthaftigkeit ziemlich abträglich. Zwar bleibt weiterhin der hochkarätige Sprechercast und die tolle akkustische Bearbeitung. Dafür sind die Drehbücher oftmals ziemlich mau. Besonders ärgerlich die sich ständig wiederholenden Beschreibungen von bekannten Örtlichkeit – vielfach eins zu eins aus den vorherigen Episoden übernommen.
Zwar gibt es schon unterhaltsame Episoden, doch insgesamt überwiegt hier glasklar die Enttäuschung.

Enttäuschend in diesem Jahr war auch der Output bei Gabriel Burns. Gerade eine solche Reihe bedarf eines regelmäßigen Nachschubs. Drei Episoden in einem Jahr fallen für mich nur sehr bedingt unter den Terminus “regelmäßig”. Wenn man sich ein wenig damit abfindet, dass die Antworten nunmal nur sehr spärlich gestreut werden und vieles einfach auch absichtlich im Unklaren gelassen wird, so kann man weiterhin gut auf seine Kosten kommen. Denn in vielen Punkten bleibt die Serie nach wie vor ungeschlagen.
Nach offiziellen Angaben soll es jährlich zukünftig erstmal mit vier Folgen weitergehen, was ich persönlich zwar immer noch als etwas wenig für eine solche Serie empfinde, aber es wäre zumindest schon mal eine Episode mehr als in diesem Jahr. Und wenn die Kritik sogar von Seiten der Hardcore-Fans so penetrant bleibt – wer weiß, vielleicht gibt es 2011 ja dann schon fünf neue Folgen. In diesem Sinne kann ich nur die Aktion “Mehr Burns fürs Volk” von Experiment-Stille unterstützen.

Einen beeindruckenden Start hat Dorian Hunter hingelegt und in 2009 bekräftigt, dass er bei Fans und Kritikern nicht umsonst gleichermaßen hoch im Kurs steht. Eine Gruselserie, die erfrischend anders daherkommt. Modern, düster, hart und zynisch. Marco Göllner gelingt es zudem auch die Drehbücher stets so aufbereiten, dass die Hörspiele nachher einen erstaunlichen hohen Wiederhörwert besitzen. Wer bisher mit dem Gedanken “nicht noch mehr von diesem Groschengrusel” an Zaubermonds Serie vorbeigegangen sein sollte, der möge einfach mal ein Ohr riskieren.

Ivar Leon Menger vermochte in diesem Jahr mit einigen interessanten Hörspiel- und Hörbuchprojekten auf sich aufmerksam zu machen. Die Rede ist von Darkside Park und Plan B. Etwas arg schleppend geht es dafür leider mit der Weiterveröffentlichung von Dodo weiter. Hoffen wir, dass das Jahr 2010 diesbezüglich etwas ertragreicher wird. Zumindest bei Darkside Park dürfte das der Fall sein, da Menger nun sein eigenes Label “Psychothriller GmbH” gegründet hat und bereits massig Nachschlag versprochen hat. Ich bleibe auf jeden Fall gespannt, welches Geheimnis sich in der amerikanischen Kleinstadt verbirgt.

Etwas ruhig ist es in 2009 auch um Lausch geworden. Zumindest was den Output an neuen Hörspielen anbelangte. Wofür es aber nachvollziehbare Gründe gab. Nichtsdestotrotz fiel mir das Warten auf die Weiterführung von Caine und Die Schwarze Sonne nicht so ganz leicht. Beides in meinen Augen absolut phantastische Serien, wovon erstgenannte nun auch schon wieder zuende ist. Wie es sich gehört hat man es zum Schluss auch passend zum Titel “Apocalypso” nochmals ordentlich Krachen lassen. Auch wenn mir der Schluss dann doch etwas zu aufgesetzt daherkam, so wird dies nichts daran ändern, dass ich mir die einzelnen Hörspiele sicherlich noch sehr oft in den Player legen werde.
Und auch mit Nathaniel de Salis und Adam Salton geht es so langsam in die entscheidende Phase. Hoffentlich 2010 mit etwas mehr Output.

So langsam wird es Zeit, dass ich mich an dieser Stelle mal den eigentlichen Highlights aus 2009 nähere. Den besten Hörspielen des Jahres 2009 nämlich. Allzuviele Kandidaten sind es zwar nicht, die sich als wirklich genial erwiesen haben, aber das ist eigentlich in kaum einem Jahr anders.
Meine Top 5 sehen wie folgt aus:
1. Mark Brandis (04) Aufstand der Roboter – die momentan beste Science-Fiction-Serie auf dem Markt
2. Wallander (05) Der unsichtbare Gegner – die bisher stärkste Geschichte der Serie und eine gewohnt erstklassige Umsetzung von Sven Stricker
3. Die Wellenläufer – eine unglaublich eindrucksvolle Vertonung von STIL nach Kai Meyers Buch-Vorlage
4. Plan B – ein ungewöhnlicher Thriller von Ivar Leon Menger mit einer starken Sprecher-Besetzung
5. Gruselkabinett – Der Tempel – die stärkste Geschichte im Gruselkabinett der letzten Zeit. Eine starke Vorlage von H.P. Lovecraft, die von Titania Medien unwahrscheinlich dicht inszeniert wurde
Danach gibt es dann schon mehrere Kandidaten, die sich um diesen Platz streiten. So beispielsweise: Die Geisterseher, Morland und Point Whitmark – Eiland der Gespenster.

Daneben gab es natürlich noch eine Menge weiterer wirklich guter Hörspiele. Diese hier alle aufzuführen würde allerdings eindeutig den Rahmen sprengen.

Wie ganz zu Anfang geschrieben, gab es einige neue Serienstarts. Allerdings nur sehr wenig neue Labels. Am prägnantesten waren dabei in meinen Augen “innovative fiction” mit einem überraschend starken Start im Dezember sowie “fuenf59″, die mit ihren H(ouse)örspielen ebenfalls recht innovative Wege beschritten haben – auch wenn der Inhalt vielleicht nicht unbedingt für Jedermann gemacht ist.

Seit dem 26. September gibt es diesen Blog nun bereits, den ich zusammen mit Olaf v.d. Heydt von hoerspieltipps.net betreibe. Seitdem hat sich auch schon eine Menge getan. Wir konnten neben diversen Gewinnspielen auch schon einige interessante Interviews präsentieren. Kolumnen sind es zwar aus Zeitgründen noch nicht ganz so viele geworden wie ursprünglich geplant. Wir arbeiten aber im Hintergrund bereits wieder fleißig an neuen Ideen und Aktionen.
Mal ein Blick auf die nackten Zahlen: 120 Artikel bzw. Newsmeldungen sind es mittlerweile geworden. Ungefähr das vierfache ist an Kommentaren von eurer Seite zusammen gekommen.

Erfreulich wäre es, wenn im nächsten Jahr die Hörspiel-Blogosphäre noch etwas enger zusammenwächst, bzw. prinzipiell weiterwächst. Denn gerade die Möglichkeiten der gegenseitigen Vernetzung mit Systemen wie WordPress bietet einfach eine Menge Vorteile und schafft tolle Möglichkeit für Synergien, die momentan bei den vielen einzelnen statischen Seiten nicht so ganz gegeben sind.

Etwas schade finde ich zudem, dass es in den verschiedenen Foren oftmals nur sehr wenige ausführlichere Meinungen zu Hörspielen und Lesungen zu finden sind, wenn man die verschiedenen Rezensenten einmal außen vor lässt. Das mag natürlich am hohen Output in diesem Jahr und einer damit einhergehenden Übersättigung liegen.

Auch das “Newsletter-Spamming” nimmt in letzter Zeit immer ausufernde Formen an und macht es einem nicht immer leicht das interessanteste für einen selbst herauszufiltern. Aus diesem Grund werden wir auch 2010 versuchen euch mit redaktionell aufbereiteten Newsmeldungen stets auf dem Laufenden zu halten und dem Trend des reinen Copy&Paste entgegenzuwirken.

Zum Schluss noch ein wenig in die Zukunft geblickt. Was wird uns hörspielmäßig im bereits angebrochenen Jahr so alles erwarten?

Mit lachendem und weinendem Auge sehe ich dem Ende von “Anne” entgegen.
Dem Ende nähert sich auch Perry Rhodan bei Lübbe Audio. Zumindest der Zyklus um den Sternenozean. Es wäre auf jeden Fall großartig, wenn es danach mit einem anderen Zyklus noch weitergehen würde. Bzw. es wäre überhaupt erfreulich, wenn der Zyklus auch wirklich 2010 erscheint.
Gespannt bin ich ebenfalls auf die nächsten beiden Wallander, die der Hörverlag für Ende April angekündigt hat.
Auch das Folgenreich-Programm mit einer weiteren Mark Brandis-Doppelfolge, Point Whitmark und Dorian Hunter klingt vielversprechend. Und vielleicht mischt sich ja auch noch eine Gabriel Burns drunter. Es wäre jedenfalls an der Zeit – ach ihr wisst schon ;)

In diesem Sinne: auf ein spannendes Hörspieljahr 2010

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2 Kommentare

  1. Robin Schenck, 3. Februar 2010:

    Toller Jahresrückblick! Sehr ausführlich geschrieben und das Wichtigste in einem zusammengefasst. Vielen Dank dafür, Daniel! :)


  2. puschmann, 3. Februar 2010:

    Und if ist sogar erwähnt :) vielen Dank!!!RT: @hoerspielkritik: Endlich online: Mein Hörspieljahresrückblick 2009 -> http://bit.ly/doiLhG

    This comment was originally posted on Twitter


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