Der Deutsche Hörbuchpreis 2010

Auf der großen Gala in Köln wurden auch der Hörkules, Hörkunlino und der Preis für das Hörbuch des Jahres der hr2-Bstenliste vergeben.
Köln, 10.03.2010 – Im Klaus-von-Bismarck-Saal des WDR-Funkhauses am Wallraffplatz traf sich die Hörbuchwelt Deutschland, um ihre Besten zu ehren. Gleich vier Auszeichnungen galt es zu verleihen. Neben dem Deutschen Hörbuchpreis und den Publikumspreisen Hörkulino und Hörkules wurde in diese Jahr auch erstmals der Preis für das Hörbuch des Jahres der hr2-Bestenliste auf dieser Veranstaltung vergeben. Obendrein markierte die Gala den Auftakt der diesjährigen Litcologne.

Katrin Bauerfeind und Jörg Thadeusz führten durch den Abend, Bild: WDR/Herby Sachs
Auch in diesem Jahr führten Katrin Bauerfeind und Jörg Thadeusz durch den Abend – wie gewohnt eine gute Wahl, denn ihnen gelang es, den Abend sehr locker und dennoch dem Anlass auch würdig, zu gestalten.
Die Veranstaltung legte auch an Tempo zu, indem man bei ein paar Gesprächsrunden jeweils zwei Preisträgern zusammenfügte. Auch das Rahmenprogramm hatte man auf zwei Auftritte beschränkt, die beide vom Mike-Herting-Quartett bestritten wurde. Auch wenn damit solche interessanten “Schmankerl”, wie der Auftritt von Kirsten Fuchs im vergangenen Jahr, wegfielen, entschädigten die sehr gelungenen musikalischen Einlagen letztlich dies dann doch.


Oben: Claudia Baumhöver vom hörverlag (oben) durfte sich, ebenso wie Gert Voss und Peter Simonischek (unten) über die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Fiktion" für "Briefwechsel" freuen, Bilder: hoerspieltipps.net
Die ersten Preisträger waren Peter Simonischek und Gert Voss. Sie wurden für Ihre Leistung im Hörbuch “Briefwechsel” (hr / der hörverlag) in der Kategorie “Beste Information” ausgezeichnet.
Die Jury lobte: “So prägnant und nuanciert waren Thomas Bernhard und Siegfried Unseld noch nie zu hören wie hier im Briefwechsel, in dem Peter Simonischek und Gert Voss ihre kongenialen Fürsprecher sind. Mit österreichischem Timbre vertritt Simonischek Ingrimm, Intelligenz und Monomaie Bernhards, Voss als Unseld die Stimme der Vernunft, des kühlen Kalküls, aber auch der Empathie. Als Duett und Duell ist dies das Drama von Autor und Verleger”.
Beide Schauspieler nahmen nicht nur den Preis entgegen, sondern sorgten auch mit einem Ausschnitt aus dem Briefwechsel für einen kurzen Eindruck dieser hörenswerten Produktion.
“Wie man unsterblich wird” – Das Hörspiel des WDR nach dem Roman von Sandy Nicholls wurde als Bestes Kinderhörbuch ausgezeichnet.
Preisträger waren hier die Regisseurin Angeli Backhausen und die Sprecher der Hauptfiguren Sam und Felix, Kai Hogenacker und Patrick Mölleken.

Kai Hogenacker, Angeli Backhausen und Patrick Mölleken erhielten den Preis in der Kategorie "Bestes Kinderhörbuch" für "Wie man unsterblich wird", Foto: hoerspieltipps.net
In der Jurybegründung heißt es: “Aus einem besonderen Buch ist ein herausragendes Hörspiel entstanden: Eindrucksvolle Sprecher und eine behutsame, kluge Regie schaffen ein ernsthaftes, unpathetisches Kunst-Stück, das Leichtigkeit verströmt und seine Hörer zugleich traurig macht und dennoch hoffnungsvoll stimmt.”
Das Hörspiel ist bei Igel-Records, Dortmund, erschienen.
Hörprobe: Wie man unsterblich wird

Theresia Singer (headroom) nahm den Preis für die "Beste verlegerische Leistung" entgegen, Bild: hoerspieltipps.net
Die Beste verlegerische Leistung, so befand die Jury, hatte das Label headroom für die Reihe “wegwärts” verdient.
“Die schönsten Reiseführer sind solche, die nicht bloß den Weg zeigen, sondern Verlangen nach mehr wecken: Lust aufs Verweilen machen und begründete Vorfreude auf Wiederkehr. Die Reihe „wegwärts“ von „Headroom“ hat solche Hörbücher im Programm und wird daher als „beste verlegerische Leistung“ ausgezeichnet. Zu rühmen ist am Rande neben dem originellen Reihentitel die bemerkenswert liebevolle Gestaltung, akustisch wie optisch. Sie nutzt den ausfaltbaren Schutzumschlag nicht allein zur Illustration des Reiseziels, sondern ebenso als Landkarte beziehungsweise als übersichtlichen Stadtplan. Den Deutschen Hörbuchpreis erhält „Headroom“ jedoch vor allem für den verlegerischen Wagemut, die Risikofreude.”
Die Ausgezeichnung nach Verlegerin Theresia Singer entgegen. Sie erhielt daneben noch einen Videogruß des “wegwärts”-Autoren Joscha Remus, der derzeit in Neuseeland weilt, um dort Material für eine weitere Episode der Reihe zu finden.
Hörprobe: wegwärts – San Francisco

Karl Bruckmaier und Alexander Kluge erhielten den Deutschen Hörbuchpreis für "Chronik der Gefühle", Bild: hoerspieltipps.net
Alexander Kluges “Chronik der Gefühle” wurde von Regisseur Karl Bruckmaier vertont. Beide wurden dafür in der Kategorie “Beste Fiktion” ausgezeichnet.
Die Produktion, die im Verlag Antje Kunstmann erschienen ist, überzeugte die Jury: “Karl Bruckmaier ist – nach Peter Weiss’ »Ästhetik des Widerstandes« 2008 – ein außerordentliches Werk gelungen: in 14 etwa einstündigen Hörstücken hat er die Kapitel aus Alexander Kluges erzählerischem Hauptwerk »Chronik der Gefühle« neu komponiert und auditiv inszeniert. Das Ergebnis ist eine beeindruckende und immer wieder neu anregende Serie in sich geschlossener und miteinander verknüpfter Sendungen. Der Wechsel der Medienformate, der in Kluges gesamten Werk genuiner Ausdruck seiner Literatur ist, wird durch Musikeinsatz, Lesungen, Schnitte, Überlagerungen und die rückblickende Stimme Alexander Kluges selbst zu einer faszinierenden Enzyklopädie der Empfindungen unserer Gegenwart und jüngeren Vergangenheit.”


Neben Andreas Fröhlich (oben) durfte sich auch Oliver Rohrbeck (unten) als Label-Chef der Lauscherlounge über den Deutschen Hörbuchpreis freuen, Bilder: hoerspieltipps.net
Aller guten Dinge sind drei: Schon in den letzten beiden Jahren stand Andreas Fröhlich auf der Nominierungsliste – Im Jahr 2010 schaffte er es ganz nach oben. Für seine Lesung “Doppler” von Erlend Loe wurde er als “Bester Interpret” geehrt.
Aus der Begründung der Jury: “Andreas Fröhlich, der bereits zum dritten Mal hintereinander für den Deutschen Hörbuchpreis als bester Interpret nominiert war, ist immer ein Meister der Dialoge mit einem großartigen Gespür für den Erzählton und den Rhythmus einer Geschichte. Wie er hier die totwitzige und zutiefst tragische Geschichte von Andreas Doppler vorträgt und sich in die midlife-krisengeschüttelte Figur geradezu hineinliest, die sich fern jeglicher Zivilisation im Wald endlich ein Leben nach den eigenen Bedürfnissen aufbauen will, ist grandios.”
Andreas Fröhlich las natürlich auch eine Passage aus “Doppler”, so dass sich das Publikum im Saal auch direkt von seinem Können überzeugen konnte.
“Doppler” ist in Andreas Fröhlichs eigener Edition “handverlesen” bei der Lauscherlounge, Berlin, erschienen.
Mit der Lesung von “Geschichten einer Ehe” von Andrew Seam Greer überzeugte Maria Schrader die Juroren. Sie erhielt für diese Produktion die Auszeichnung als “Beste Interpretin”.

Maria Schrader ist die "Beste Interpretin" 2010, Bild: hoerspieltipps.net
Die Schauspielerin, die schon den Max-Ophüls-Preis, zwei Bayerische Filmpreise und den Bundesfilmpreis ihr Eigen nennen darf, gab natürlich auch eine Kostprobe ihres Könnens.
Die Jury lobte “Maria Schraders Interpretation besticht durch die intelligente Gliederung ihres Vortrags, ihre hohe inhaltliche und atmosphärische Konzentration und einen selten anzutreffenden, ausgeprägten Sinn für die Entwicklungslinien des Stoffs. So wird von ihr insbesondere die Figur der Protagonistin facettenreich aufgebaut und entfaltet. Diese baut sich, zumal in ihrer Widersprüchlichkeit, zu einem lebendigen Charakter auf, dessen existenzbedrohende Auseinandersetzungen zutiefst berühren.”
“Geschichte einer Ehe” ist bei Random House Audio, Köln, erschienen.
Hörprobe: Geschichte einer Ehe

Matthias Brandt und Maria Schrader, Bild: hoerspieltipps.net
Die Kategorie “Das besondere Hörbuch”, das in diesem Jahr den “Besten Krimi” würdigte, ging an den Autor Åke Edwardson und an den Sprecher Matthias Brandt für die Lesung “Der Himmel auf Erden”.
Matthias Brandt nahm den Preis entgegen und bewies in einer kurzen Lesung die Begründung der Jury: “‘Der Himmel auf Erden’ ist eines der besten Bücher eines der besten Krimiautoren Skandinaviens. Eine ungeheuerliche Geschichte über alltägliche Verbrechen und ihre Folgen. Wie der Schauspieler Matthias Brandt die Charaktere dieses schaurigen Romans verlebendigt, wie er sich in der Rolle des Täters an seine jungen Opfer heransäuselt ist haarsträubend gut und ganz große Sprechkunst. Eine Meisterleistung von beiden – Autor und Interpret.”
Auch diese Produktion erschien beim Random House Audio, Köln.
Hörprobe: Der Himmel auf Erden

Die Gewinner von Hörkulino und Hörkules: Ulrike Grote und Gert Heidenreich, Bild: hoerspieltipps.net
Hörkules und Hörkulino
Erst am Abend bekanntgegeben wurden die Gewinner “Hörkules” und “Hörkulino”. Mit den Siegern “Der Hobbit” und “Bis(s) zum Ende der Nacht” hat sich das Publikum für zwei bekannte und offenbar sehr beliebte Stoffe entschieden. Gert Heidenreich nahm den “Hörkules” für seine Lesung von “Der Hobbit”, Ulrike Grote entsprechend den “Hörkulino” für “Bis(s) zum Ende der Nacht” entgegen.
Die beiden Publikumspreise sind initiert von “Buchwerbung der Neun GmbH” und werden jährlich im Rahmen der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises mitverliehen.
Hörprobe: Bis(s) zum Ende der Nacht

Die Herausgeber des "Hörbuch des Jahres" der hr2-Bestenliste: "Lyrikstimmen", Bild: hoerspieltipps.net
hr2-Hörbuchbestenliste – Hörbuch des Jahres 2009
Obwohl schon zum 13. Mal verliehen, wurde das “Hörbuch des Jahres” der hr2-Bestenliste erstmals im Rahmen dieser Veranstaltung überreicht. Die begehrte Auszeichnung erhielt die die Anthologie “Lyrikstimmen – Bibliothek der Poeten”. Die Produktion, die beim hörverlag, München, erschienen ist, enthält auf 9 CDs mehr als 400 Gedichte, vorgetragen von den wichtigsten Lyrikerinnen und Lyrikern des 20. Jahrhunderts. In jahrelanger Recherche haben die vier Herausgeber, Christiane Collorio, Peter Hamm, Harald Hartung und Michael Krüger diese Originalaufnahmen zusammengetragen. Die Jury spricht von einem “Sprachjuwel mit über 400 Karat Lyrik”, man sei “dankbar für jede Minute, die zu hören ist”.
Zum Abschluss des offiziellen Teils gab es natürlich das traditionelle Gruppenfoto, bevor Preisträger und Gäste zur After-Show-Party entlassen wurden. Ein unterhaltsamer Abend klang dann in Foyer und Lounge des WDR-Funkhauses aus. Hier gab es nochmal Gelegenheit, dem einen oder anderen Gewinner persönlich zu gratulieren und das eine oder andere nette Gespräch zu führen.

Die Geehrten auf einen Blick (v.l.n.r.): Kai Hogenacker, Angeli Backhausen, Patrick Mölleken, Andreas Fröhlich, Peter Simonischeck, Gert Voss, Matthias Brandt, Maria Schrader, Alexander Kluge, Karl Bruckmaier, Theresia Singer, Gert Heidenreich, Claudia Baumhöver, Christaine Collorio, Harald Hartung, Peter Stamm; Bild: WDR/Herby Sachs

Auch die Verleger durften sich natürlich über ihre Deutschen Hörbuchpreise freuen (v.l.n.r.): Theresia Singer (headroom), Claudia Baumhöver (hörverlag), Sabine Buss (Random House Audio), Antje Kunstmann (Verlag Antje Kunstmann), Karl Heinz Pütz (Random House Audio), Mira Brinkschulte (igel records), Oliver Rohrbeck (Lauscherlounge), Bild: hoerspieltipps.net

Die besten Interpreten: Andreas Fröhlich und Maria Schrader, Bild: hoerspieltipps.net

WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz mit Verlegerin Antje Kunstmann, Bild: hoerspieltipps.net
Tags: Ake Edwardson, Alexander Kluge, Andreas Fröhlich, Andrew Sean Greer, Angeli Backhausen, Bis(s) zum Ende der Nacht, BR, Briefwechsel, Buchwerbung der Neun GmbH, Christiane Collorio, Chronik der Gefühle, Claudia Baumhöver, Der Himmel auf Erden, Der Hobbit, Deutscher Hörbuchpreis, Doppler, Erlend Loe, Gert Heidenreich, Geschichte einer Ehe, Harald Hartung, Headroom, Hörkules, Hörkulino, Hörverlag, hr, hr2-Bestenliste, Jörg Thadeusz, Joscha Remus, Kai Hogenacker, Karl Bruckmaier, Karl Heinz Pütz, Katrin Bauerfeind, Lauscherlounge, Lyrikstimmen, Maria Schrader, Matthias Brandt, Michael Krüger, Mira Brinkschulte, Oliver Rohrbeck, Patrick Mölleken, Peter Hamm, Peter Simonischek, Peter Voss, Random House Audio, Sabine Buss, Sally Nicholls, Teresia Singer, Theresia Singer, Ulrike Grote, Verlag Antje Kunstmann, WDR, Wegwärts, Wie man unsterblich wird, Wolfgang Schmitz
Zuletzt aktualisiert am 12. März 2010




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