Kolumne: Bestandsaufnahme – Lübbe stellt Hörspiel-Serien ein
Kolumne: Subjektive Bestandsaufname zur Einstellung der folgenden Lübbe Audio Hörspiel-Serien: Offenbarung 23, Edgar Allan Poe, Perry Rhodan
Die Meldung, dass Lübbe Audio drei ihrer bislang am weitesten fortgeschrittenen Hörspielserien einstellen wollen hat viele Hörspielkäufer und -fans hart getroffen. Zumindest belegen das die zahlreichen Postings und Diskussionen in den verschiedenen etablierten Hörspielforen.
Die Palette an Reaktionen ist weit gestreut: Leute, die ihrem Frust völlig freien Lauf lassen, solche die direkt den Totalboykott aller Lübbe Hörspiele und Hörbücher verkünden, wenn es keinen vernünftigen Serienabschluss mehr gibt, und natürlich auch solche, welche die Serien nicht einmal großartig gekannt haben und denen es folglich ziemlich egal ist, was aus ihnen wird.
Um die ganze Sachlage einigermaßen neutral zu beleuchten, müsste man sich in beide Parteien (die langjährigen Käufer und die Verantwortlichen bei Lübbe) hineinversetzen. Doch das ist schwierig, denn Einblick hinter die Kulissen hat man als normaler Käufer nun einmal nicht.
In manchen Diskussionsbeiträgen taucht die Forderung auf, dass man die Serien doch bitte zu Ende führen soll, solange man damit schwarze Zahlen schreibt. Letzteres wird dabei einfach so angenommen – wirklich wissen, kann aber niemand, ob Lübbe mit einer weiteren CD-Auflage nicht doch eher Verluste einfährt. – Auch wenn man beispielsweise für die Rhodan-Folgen bereits in Vorleistung gegangen ist. So wird der aktuelle Sternenozean-Zyklus nach Aussagen von Simon Bertling auf jeden Fall noch zu Ende produziert. Was aber nachher passiert ist aktuell wohl noch ziemlich offen. Zumindest eine Veröffentlichung als MP3-Download erscheint aber wahrscheinlich, da hier am ehesten die Ausgaben ohne weitere von diesen wieder hereingeholt werden könnten – zumindest teilsweise. Auch eine weitere Option mit pop.de schwebt zumindest im Raum. Zweites dürfte vor allem für Sammler sicherlich die interessanter erscheinendere Variante sein.
Besonders problematisch bei den drei Serien, die von der Einstellung betroffen sein sollen, ist dass diese über einen folgenübergreifenden Handlungsstrang verfügen. Ein plötzlicher Stopp ohne inhaltlichen Abschluss ist somit sehr ärgerlich.
Selbst wenn man natürlich nicht über den Einblick hinter die Kulissen verfügt, tut sich unweigerlich die Frage auf, ob man dieses Ende seitens Lübbe nicht schon früher hätte kommen sehen müssen? Sind die Verkaufszahlen wirklich innerhalb kurzer Zeit so massiv abgesackt? Allein durch illegale Downloads, welche Lübbe in der bislang inoffiziellen Meldung als Hauptgrund benennt?
Versuchen wir das mal der Reihe nach etwas genauer zu beleuchten.
Lübbe Audio hat vor kurzem einige entscheidende Strukturänderungen erfahren. Somit wäre es durchaus möglich, dass von oben her verstärkt darauf gedrängt wird/wurde, dass nicht mehr profitable Projekte nicht mehr weiter fortgeführt werden. Dabei wäre es durchaus vorstellbar, dass solche Entscheidungen den Leuten, die um die Hörspielsparte bemüht sind, genausowenig gefällt, wie den Leuten, die nun lauthals Kritik üben.
Viel Spekulation – gewiss. Aber es wäre eine Erklärung für den doch ziemlich aprupten Schritt, der es dann eben nicht mehr so ohne weiteres möglich gemacht hätte, sich darauf vorzubereiten, da die Verantwortlichen für diese drei Serien vielleicht selbst geglaubt hatten, diese inhaltlich noch abschließen zu können. Und vielleicht sind sie ja nach wie vor daran interessiert?
Downloads als Hauptgrund für die Beendigung zu benennen, ist PR-mäßig sicherlich geschickt. Dass dieses Problem grundsätzlich besteht, muss nicht angezweifelt werden. Jedoch dürfte es wie bei so vielen Dingen weit mehr als nur eine einzige Ursache geben. Was ist beispielsweise mit den Veröffentlichungsryhthmen der Serien? Sind sechs Folgen auf einen Schlag mit einer anschließend immens langen Pause wirklich die geschickteste Wahl? Kann man Serien mit einem solchen Rhythmus vernünftig im Handel platzieren?
Diese Fragen tauchen nun natürlich berechtigterweise auf. Fakt ist, dass aber auch schon andere Serien mit ganz anderen Veröffentlichungsrhythmen das zeitliche gesegnet haben. Auch hier wieder: viel Spekulation. Es ist nachher natürlich immer leicht, einem anderen mögliche Fehler vorzuhalten. Problematisch aber, dass man nicht weiß, ob die eigene Idee/Methode wirklich erfolgreicher gewesen wäre.
Downloads als wesentlicher Grund wirken aber schon deshalb etwas fadenscheinig, da ja prinzipiell auch Serien wie John Sinclair davon betroffen sein müssen, die aber nicht eingestellt werden. Dass die Zahl der Downloadfreundigen hier wirklich niedriger sein soll als bei den anderen Serien darf wohl angezweifelt werden. Ist es also wohl doch eher so, dass die Zahl der ehrlichen Käufer bei Sinclair TROTZ Downloads im Gegensatz zu den anderen Serien noch ausreicht?
Nicht jeder Download ist automatisch eine verkaufte Einheit mehr. Zweifellos: die illegale Verbreitung von Hörspielen ist etwas, das es zu bekämpfen gilt. Dass Lübbe die ehrlichen Käufer aus wirtschaftlichen Gründen nicht mit einer inhaltichen Beendigung belohnen will oder belohnen kann (das sei hier absichtlich offen gehalten), ist sehr schade.
Über den “inhaltlichen Verfall”, der manche Käufer zum Aussteigen bewegt haben mag, gibt es naturgemäß noch deutlich mehr unterschiedliche Meinungen. Dies in irgendeiner Weise festmachen zu wollen, fällt somit extrem schwer.
Unbestritten dürfte sein, dass der Hörspielmarkt momentan sehr voll ist. Im Vergleich zum Hörbuchmarkt zwar immer noch sehr überschaubar, dafür ist aber wohl auch die Käufergruppe deutlich eingeschränkter.
Nun kann man sich natürlich auch Fragen: haben die Leute denn überhaupt das Recht eine Fortsetzung zu verlangen/einzufordern? Ein grundsätzliches Recht auf den Abschluss einer Serie gibt es nicht – auch dann nicht, wenn man bisher brav alle bisherigen Hörspiele gekauft hat. Dass ich als Käufer aber das Recht habe zu sagen: “als langjähriger treuer Käufer möchte ich gerne auch das Ende der Geschichte kennen lernen, da für mich trotz aller Freude über die einzelnen top produzierten Hörspiele etwas ganz entscheidendes fehlt” – ja, dieses Recht hat man absolut. Und es ist auch gut, wie sehr hier Interesse bekundet wird. Natürlich ist die an ein kleines trotzige Kleinkind erinnernde Art eines manchen Beitrags wohl nicht gerade das, was Lübbe zum Umdenken bewegen dürfte, aber auch das ist letztlich irgendwo noch eine verständliche Reaktion.
Ich kann mich an kaum ein Thema der letzten Zeit erinnern, dass quer durch die gesamte Hörspielszene eine solche Anzahl an Beiträgen innerhalb kurzer Zeit erzeugt hat.
Ist das ganze nun der Beginn des großen Collaps. Manch einer beschwört hier ja direkt Vergleich mit der Lehman-Brother-Pleite, nur eben gemünzt auf den Hörspielsektor.
“Gesundschrumpfung des Marktes”, “Marktbereinigung”, “Hörspielgau” und ähnliche Bezeichnungen fliegen einem in den verschiedenen Diskussionen gleich reihenweise um die Ohren. Nichtsdestotrotz ist aber zumindest aktuell die Zahl der Gesamtveröffentlichungen pro Monat noch verdammt hoch – und es kommen immer noch zahlreiche neue Serien auf den Markt. Vielleicht nicht immer unbedingt das, was den Kern der in den Foren aktiven Käufer nun interessiert, aber noch herrscht alles andere als ein Mangel an Hörspielneuheiten.
Wie sich das in der Zukunft tatsächlich alles entwickeln wird? Nun, diese Spekulation gebe ich gerne zurück in die Foren…
P.S.: Kommentare eurerseits könnt ihr hier natürlich gerne anbringen. Wer möchte kann Passagen (bitte nicht gleich den ganzen Text) auch zur weiteren Diskussion auf gewünschten Plattformen aufgreifen.
Tags: Edgar Allan Poe, Lübbe Audio, Offenbarung 23, Perry Rhodan
Zuletzt aktualisiert am 14. März 2010




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