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Nachgefragt! Sebastian Pobot über Professor van Dusen


Sebastian Pobot, ist Musikproduzent und Komponist. Mit seinem Label highscoremusic veröffentlichte er vor zwei Jahren das WDR-Hörspiel “Als die Autos rückwärts fuhren”, zwanzig Jahre nach der Erstausgabe auf LP, erstmals auf CD. In diesem Jahr steht ein großes Hörspielprojekt an – Die Veröffentlichung der Hörspielreihe “Professor van Dusen” von Michael Koser. Dazu stand er uns in einem Interview Rede und Antwort.

Professor van Dusen - Eine Unze Radium - Coverdesign von Lars Vollbrecht

Professor van Dusen - Eine Unze Radium - Coverdesign von Lars Vollbrecht

Dein Hauptthema ist ja eigentlich die Musik – Du bist Musikproduzent und Komponist, hast viele Themen für Fernsehformate (Aktenzeichen XY, Abenteuer Forschung, Space Night, Terra X u.a.) komponiert, kannst auf einige Goldene Schallplatten und eine Echo-Nominierung (Dt. Schallplattenpreis) zurückblicken – wie kann dich da die bescheidene Nische “Hörspiel” reizen?

Ich bin wohl ein typisches „Kassettenkind“. Meine ganze Jugend war von den kultigen Europa-Serien geprägt.
Seit meinem 6ten Lebensjahr habe ich mir regelmäßig Hörspiele aus der Stadtbücherei ausgeliehen und einige auch gekauft. Als dann Ebay kam und man an diese ganzen Schätze unkompliziert rankam, habe ich mir als erstes alle Hörspiele von damals zusammengesteigert. Heute bin ich stolzer Besitzer aller Drei ???, TKKG, Fünf Freunde, Pizza Bande, Hallo Tom hier Locke-Folgen etc. Ich habe quasi eine Europa Komplettausgabe – im Original (denn das ist heutzutage bei der Möglichkeit zu illegalen Downloads leider nicht mehr selbstverständlich…)
Umso toller war es, da ich derzeit an einer „Best of Europa-Musiken“-Compilation zusammen mit dem Drei ??? Komponisten Jan-Friedrich Conrad arbeite, als ich vor kurzem Kontakt zu Frau Heikedine Körting (die Masterfrau hinter dem Europa-Label) hatte. Ich konnte vor Ehrfurcht gar nicht denken. Ein definitives Highlight der letzten Jahre!

Als die Autos rückwärts fuhren - WDR 1973 / highscoremusic 2008

Als die Autos rückwärts fuhren - WDR 1973 / highscoremusic 2008

Mit “Als die Autos rückwärts fuhren” hast du im Jahr 2008 ja erstmals ein Hörspiel aus den Archiven befreit. Wie kamst du ausgerechnet auf diesen Titel?

Das war das Lieblingshörspiel einer Freundin – aus Ihrer Jugendzeit. Als ich bei Ebay sah, dass die Fans bis zu 100 Euro für eine Vinyl ausgeben, konnte ich diese Ungerechtigkeit kaum fassen. Außerdem bekam meine Freundin stets sentimentale Augen, wenn man davon sprach und so konnte ich nicht anders, als mal nachzuforschen…

Wie waren die Erfahrung mit dem Umfang an Arbeit, den ein solches Projekt mitbringt. Hat dich das überrascht?

Auf jeden Fall! Ich dachte, ich frage beim WDR an – fertig. Nicht bedacht hatte ich, dass ich ALLE Beteiligten von damals kontaktieren musste. Da ich ja auch die online-Rechte (für iTunes etc.) wollte, musste ich sie mir von allen Beteiligten nochmals lizenzieren – diese wurden logischerweise Ende der 70er Jahre noch nicht übertragen. Die Schwierigkeit war zudem, dass einige Mitwirkende von damals leider nicht mehr am Leben waren und die aufwendige Suche nach Hinterbliebenen begann, die in einem solchen Fall die Rechtenachfolger sind. Mit Hilfe von Herrn Henning Venske und einiger Anwälte gelang dann aber das Projekt.

Nun hast du dich dem Mammutprojekt “Van Dusen” gestellt. Was reizt dich hieran?

Nach „Als die Autos rückwärts fuhren“ konnte ich ein wenig in die Hörspielszene reinschnuppern. Ich war zwar immer begeisterter Konsument, hatte aber leider nie die Zeit mich aktiv in der Community zu beteiligen. Als ich dann paar nette & interessante Leute kennengelernt hatte, habe ich immer wieder unverbindlich gefragt, was denn ein adäquates Nachfolgeprojekt wäre.
Dann fiel eigentlich immer der Satz: „Professor van Dusen – aber kannste vergessen, das schaffst Du eh nicht…“

Du bist nicht der erste, der sich hier heranwagt, waren die vielfach gescheiterten Versuche mehr Ansporn oder bremsten sie eher den Tatendrang?

Definitiv Ansporn!
Ich habe vor jedem einzelnen Versuch großen Respekt, habe teilweise auch mit den Leuten Kontakt gehabt und kann nur jedem gratulieren, der nicht so verrückt war wie ich und irgendwann die Finger davon gelassen hat – denn jetzt gibt’s kein Zurück mehr. :-)
Die Recherche war höchst aufwendig, hat ca. 1 Jahr gedauert und die Rechte waren sehr arbeits- und kostenintensiv.

Die Reihe umfasst ja 79 Folgen. Hast du vor, alle zu veröffentlichen oder wirst du hier ggf. einige Highlights herausgreifen.

Ein Traum wäre es schon, alle herauszubringen, allerdings muss ich natürlich mit einem Auge auch auf die Verkaufszahlen schielen.
So sehr es Spaß gemacht hat, fürchte ich, dass ich es von den tatsächlichen Verkäufen abhängig machen muss. Mein Herz hängt sehr zwar dran, aber die Investitionen müssen erst einmal reinkommen bevor ich mich an weitere Folgen setzen kann. Lust & Bereitschaft sind bei mir aber definitiv da und sobald ich merke, es geht vorwärts, greife ich zum Telefon…

Bleibt es bei der Veröffentlichung in Produktionsreihenfolge?

Wenn es die Rechtelage zulässt, möchte ich in der Produktionsreihenfolge weitermachen.

Welchen Veröffentlichungsrhythmus strebt ihr an?

Als die Autos rückwärts fuhren - WDR 1973 / highscoremusic 2008

highscoremusic

Das ist jetzt absolute Spekulation: Wenn es weitergeht, wäre ein Block von 4 Folgen, 2-3 Mal im Jahr erstrebenswert. Näheres erfährt derjenige, der sich bei www.highscoremusic.com ins Newsletter Formular einträgt. Hier gibt es die aktuellen Entwicklungen, Links und Updates.

Sind ggf. auch Sonderformate (Box-Veröffentlichungen etc.) vorgesehen?

Wenn es weitergeht, ja.
Ein absoluter Traum wäre natürlich eine „Complete Collector‘s Limited Edition“ – das ist allerdings eine Lebensaufgabe. Mal schauen…

Eines der großen Probleme ist ja die Rechtefrage. Kannst du uns vielleicht mal schildern, was tatsächlich an Arbeit man diesbezüglich pro Folge investieren muss?

Ich saß, wie schon erwähnt, an den ersten 4 Folgen ca. 1 Jahr.
Man darf nicht vergessen, dass alle Sprecher für die Möglichkeit, das Produkt auf CD zu pressen, ausbezahlt werden müssen, auch das Deutschlandradio ist Vertragspartner als Lizenzgeber.
Hinzu kommen die Verlagsrechte, die meistens (zum Glück) bei den großen Majors liegen. Hier kam mir mein musikalischer Hintergrund auf jeden Fall zu Gute, da ich genau wusste, an wen ich mich wenden kann.
Die Konditionen sind branchenüblich – also hoch. ;-)
Die Verlage nehmen jedoch nur die Autorenrechte war. Zusätzlich werden Masterrechte derer fällig, die die Musiken von damals nicht nur komponiert sondern auch eingespielt haben. Man muss also im Einzelfall manchmal mit ganzen Orchestern abrechnen.
Interessanterweise hatte ich öfters aber auch die Erfahrung machen müssen, dass man das Thema „Van Dusen“ zum Teil gar nicht mehr ernst nahm nach den zahlreichen vorangegangenen Anfragen – da musste man sehr hartnäckig sein.
Und sehr wichtig: Glücklicherweise standen mir Herr Michael Koser (Autor) und Herr Rainer Clute (Regisseur) immer beratend zur Seite. Ohne ihre freundliche Unterstützung hätte ich es wohl nicht geschafft.

Van Dusen lief und läuft auch immer mal wieder im Radio – Die Serie ist sehr erfolgreich. Viele besitzen bereits die Mitschnitte, gar nicht zu reden von illegalen Tauschbörsen, in denen die Folgen schon seit Jahren verfügbar sind. Wie hoffst du, die Käufer motivieren zu können, ihren Van Dusen (auch) auf CD haben zu wollen?

Wir planen Bonus-Material, d.h. Kommentare von Rainer Clute und Michael Koser. Ein paar Hintergrundinfos und nette Anekdoten.
Für’s booklet hat mir Herr Koser aus seiner Privatsammlung paar Bildern von Jacques Futrelle oder die ersten Originalzeichnungen aus der Zeit von Professor van Dusen und Hutchinson Hatch überlassen. Die Coverfrage ist auch noch nicht geklärt. Wir denken eventuell über ein Wendecover für die unterschiedlichen Fanlager nach, aber bitte nagelt mich hier noch nicht fest. Hier sind wir noch in der Brainstorming-Phase… und letztlich appellieren wir an die Fairness und Ehrlichkeit aller Musik-und Hörspielbegeisterten, sich die Hörspiele tatsächlich zu kaufen.

Eine andere Serie von Michael Koser – Der letzte Detektiv – scheiterte nach nur vier Folgen – was soll bei Van Dusen anders laufen, dass genau das nicht passiert?

Naja, ich denke, das geht über die Preispolitik. Ich möchte die van Dusen Hörspiele auf keinen Fall über 10 Euro anbieten. Eventuell wird es am Anfang Rabattaktionen geben oder ähnliches. Die Downloads werden nochmal ein Stück günstiger sein, ohne auf das (Audio-) Bonusmaterial verzichten zu müssen. Passieren kann es natürlich trotzdem, dass es floppt. Es hängt nur von den Fans ab, wie sie das Produkt annehmen werden. Sicher wissen werden wir es erst nach der Veröffentlichung.

Ein diesbzüglich immer wieder gehörtes Argument ist ja, dass Radiohörspiele ja eigentlich schon durch die Sender, und damit mit den GEZ-Gebühren abgegolten sind und damit die Verkaufspreis auch deutlich unter denen von neu produzierten Hörspielen liegen könnten. Kannst du uns vielleicht hierzu vielleicht mal erläutern, warum diese
Rechnung so nicht stimmt?

Die Mitwirkenden werden ja nur sekundär für die erbrachte Leistung bezahlt, in erster Linie für Ihre Rechteübertragung. Mit der GEZ Abgabe sind lediglich die Aufführungsrechte (im Rundfunk) abgegolten. Dafür gibt es bei den Sprechern spezielle Tarife, nach denen sich die Sender richten. Sobald man jedoch CDs pressen will, muss man sich die Vervielfältigungsrechte sichern und dafür nochmals bezahlen – das ist eine ganz andere und zweite Dimension des Verwertungsprozesses. Die eine Rechtsübertragung hat mit der anderen leider nichts zu tun. Ein juristisches Problem…

Kannst Du schon sagen, wie es bei Dir weitergeht? Welche Projekte stehen an?

Gerade ist der Soundtrack zur Waternight (Vol. 2), bekannt aus der Space Night, auf Highscore Music erschienen. Der Soundtrack läuft unter dem Projektnamen „Ambitus“, bei dem ich als Songwriter und Produzent tätig bin. Ich kann jedem nur empfehlen einmal reinzuhören. Ist ein sehr schönes Ambient-Album geworden…
Die Europamusiken von Jan-Friedrich Conrad erscheinen hoffentlich im Sommer 2010.
Und dann träume ich davon, mir meinen Kindheitstraum erfüllen zu können und eine eigene Hörspiel-Serie zu produzieren…

Dafür viel Glück und vielen Dank für das Interview!


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2 Kommentare

  1. hoerspieltipps, 16. April 2010:

    Nachgefragt! Sebastian Pobot über Professor van Dusen | HOERSPIEL³-Blog http://bit.ly/9hkZkk

    This comment was originally posted on Twitter


  2. hoerspieltipps, 16. April 2010:

    Nachgefragt! Sebastian Pobot über Professor van Dusen | HOERSPIEL³-Blog http://bit.ly/9hkZkk

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