“Prima la Donna” ist Hörspiel des Monats April 2010

Thomas Voigt, Bild: WDR/Sibylle Anneck
Die Deutsche Akademie der darstellenden Künste hat Thomas Voigts Hörspiel “Prima la Donna” zum “Hörspiel des Monats” April gekürt.
In seinem Hörspiel hinterfragt Voigt, was die echte Opern-Diva ausmacht, wodurch wird sie zur Ikone und Legende? Vier Primadonnen der 1950er- und 1960er-Jahre geben Antwort, in Wort und Ton: Martha Mödl, Ljuba Welitsch, Elisabeth Schwarzkopf und Leonie Rysanek. Sie alle sangen zur Zeit der Callas und konnten der „Primadonna assoluta“ etwas Eigenständiges entgegensetzen. Unverwechselbar wurden sie primär durch ihre Stimme: durch ihren Klang, durch ihren Gesang, aber auch durch ihre Art zu sprechen, sich selbst zu reflektieren, und durch die Weise, in der sie sich durch die Welt und ihr Leben bewegten. Im Hörspiel „Prima La Donna“ werden diese Dimensionen des Zaubers akustisch nachvollziehbar: Ein Palast der großen Gefühle. Mit Klängen, die bewegen, aufwühlen und erotisieren. Mit Worten, die faszinieren, amüsieren und verstören. Mit erzählten Geschichten von Frauen, die emotional extreme Höhen und Tiefen erlebt haben, beruflich und privat.
Thomas Voigt, Jahrgang 1960, lebt als freier Filmemacher, Autor und Journalist in Köln. Im Zentrum seiner Tätigkeit steht die (für ihn) interessanteste Verbindung von Wort und Ton: die Oper.
Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:
Thomas Voigt, Filmemacher und Autor aus Köln, ist ein großer Liebhaber und ein Kenner der Oper – und ihrer Künstlerinnen. Vier der ganz großen Sängerinnen des letzten Jahrhunderts – Elisabeth Schwarzkopf, Leonie Rysanek, Ljuba Welitsch und Martha Mödl (für ihn nur die Schwarzkopf, die Rysanek, die Welitsch und die Mödl) – ist er über Jahre immer wieder begegnet und verfügt über zahlreiche Interviewmitschnitte. Sie und klug ausgewählte Gesangsbeispiele bilden die Grundlage für eine hinreißende Produktion an der Schwelle zwischen künstlerischem Feature und Hörspiel, die sich selbst wie eine kleine Oper über die Diva hören lässt, mit Aufstieg und Fall, Intrigen und (Isoldes Liebes-) Tod. Die dazwischen wie spontan gesprochenen Erinnerungen des Autors sind von einer ebenso guten Kenntnis der Personen, von Verehrung, wie auch von einer feinen Ironie geprägt.
Das Verhältnis zur Musik und einzelnen Rollen, Erfolge und Misserfolge, das Verhältnis zu Männern, aber auch das zur Primadonna Assoluta, Maria Callas, und schließlich die Erfahrung des Alterns und die Nähe des Todes, all das wird Thema und organisiert die Auswahl der Interviewausschnitte. Es ist zauberhaft, wie über die Montage dieser meist kurzen Beiträge das sehr unterschiedliche menschliche wie künstlerische Profil der Künstlerlinnen deutlich wird. Und zugleich eine große, je eigene Kraft der Primadonna als ein Charakter des 20. Jahrhunderts. Die leichte wie sichere Form des Hörspiels und ihre zwingend radiophone Umsetzung haben die Jury überzeugt und begeistert.
Die Auszeichnung “Hörspiel des Monats” wird seit 1977 vergeben. Eine jährlich neu gebildete Jury hört und beurteilt Monat für Monat alle Ursendungen von Hörspielen und wählt das interessanteste / bemerkenswerteste Hörspiel des Monats. Die Wahl wird der Presse zur Veröffentlichung bekanntgegeben. Aus den zwölf ausgewählten Hörspielen wird seit 1987 das “Hörspiel des Jahres” gewählt und in einer öffentlichen Veranstaltung in Frankfurt am Main und auch in Bensheim vorgestellt.
Tags: Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, Hörspiel des Monats, Thomas Voigt, WDR
Zuletzt aktualisiert am 4. Mai 2010




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