Einmal das Wort "Pulp-Fiction" bei Wikipedia nachgeschlagen, findet sich dort schnell die wenig schöne Umschreibung "Schundliteratur". Das klingt zunächst mal recht wenig einladend. Warum sollte man sich ausgerechnet solch ein Hörbuch antun?
Die Antwort gibt es hier!
Argument Nummer eins: Reiner Schöne. Einigen ist der Name vielleicht nicht ganz unbekannt. Ein recht vielseitiges Talent in Schauspielerei, Synchronkunst und zu diesem beiden gehört natürlich auch die die Kunst des Erzählens. Man kennt ihn unter anderem als die deutsche Stimme von Darth Vader (Episode III) oder von Mickey Rourke in Sin City.
Es mag vielleicht eine Menge anderer Stimmen geben, die sich ebenfalls wunderbar zum Gesicht dieser Geschichte fügen würden, Rainer Schöne erscheint mir nach dem Hören allerdings die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu sein. Nicht nur die Stimme, auch der ganze Rest passt. Vortrefflich schafft er es nämlich Leben in die Geschichte und Figuren zu bringen.
Argument Nummer zwei: Das lockere Sprachniveau, das sich alles andere als auf hohem Niveau bewegt und damit wunderbar zum gewählten Milieu passt. Hier geht es nicht um ein Verbrechen in hochbetuchten Kreis, sondern im kriminellen Grenzbereich. Dadurch ergibt sich ganz automatisch eine Leichtigkeit im Erzählfluss, die sich als sehr angenehm darstellt - vor allem dann, wenn man in erster Linie packende und unterhaltsame Krimikst erwartet.
Argument Nummer drei: Die Story selbst. Letztlich aber vielleicht das schwächste der drei. Die Geschichte ist vieles, aber nicht sonderlich "schundig". Rasch wird man von der Thematik mitgerissen und sieht sich zusammen mit der Hauptfigur in einer reichlich unschönen Situationen - nämlich unter Mordverdacht. Ab einem gewissem Punkt ist zwar recht vorhersehbar, wer hinter dem ganzen steckt, das warum treibt einen aber weiterhin an. Und dazu gesellen sich dann noch diverse weitere Überraschungen, insbesondere am Ende kommt es nochmals knüppeldick und es ist nicht übertrieben von regelrecht nervenzerfetzender Spannung zu sprechen.
Keine Musik- oder Effektuntermalung. Somit eine reine Lesung.
Fazit: 4 CDs, die mir ordentlich Spaß bereitet haben. Manche Krimis kommen eher bieder daher, manche sind regelrechte Langweiler, manche leben allein vom Bodycount. Dieser setzt von der ersten Minute an auf eine interessante Hauptfigur, die sich urplötzlich in einer auf gut deutsch vollkommen beschissenen Situation wiederfindet und diese bis zum Ende begleitet. Vielleicht literarisch nicht mit höchstem Anspruch, aber bestens unterhaltend. Insbesondere wegen der vorzüglichen Erzählerleistung Rainer Schönes.
Note 2+

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