Ich bin der Tod - und das ist erst der A-a-n-f-a-n-g!
Es geht diesmal mehr oder minder quer durch Raum und Zeit. Fast schon fragmentarisch präsentiert man hier verschiedenste Ereignisse aus Vergangenheit, Gegenwart, der Welt wie wir sie zu kennen scheinen und aus Kyan'Kor. Wir erfahren mehr über die Falle, in die Steven Caine einst tappte und welche ihn schließlich zu dem gemacht hat, was er heute ist. Es geht von Caines Anfängen als Profikiller über das Leben Kartaans und seinen Weg zum grausamsten aller Schlächter überhaupt bis zur Collin Drake Bruderschaft, die im Geheimen ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen scheint und welche Caine zum einen mit wachsender Bewunderung und zugleich mit großer Sorge betrachtet.
Aufgrund dieses recht unlinearen Handlungsaufbaus, den vielen Sprüngen zu verschiedensten Personen, an verschiedenste Orte und dem ständigen Wechsel zwischen verschiedensten Zeitstufen der Vergangenheit und der Gegenwart macht es einem das Hörspiel nicht immer ganz leicht zu jeder Stelle sofort genau zu wissen, was da auf einen einbricht. Dazu kommt noch, dass man wie schon bei den beiden ersten Folgen auf einen Erzähler nahezu verzichtet. Vorraussetzung, um hier mitzukommen ist auf jeden Fall die Kenntnis der beiden ersten Episoden. Ansonsten dürfte man wohl nur ratlos vor dem CD-Spieler sitzen und überhaupt nichts mehr raffen. Mal wieder wird man mitten in das Geschehen hineingeworfen, das diesmal noch weniger als sonst eine lineare Handlung bietet, doch macht das zugleich einen ziemlich großen Reiz der Produktion aus. Denn lässt man sich erstmal fallen und lenkt seine Konzentration ganz auf das Hörspiel sind die anfänglichen Unklarheiten bedingt durch die Eigenarten des Aufbaus (spätestens nach dem zweiten Mal hören) schnell beseitigt.
Caine ist hart, gnadenlos, brutal, grausam, krank, verstörend genial. Caine ist nicht nur ein normales Hörspiel. Caine ist Caine. Ein derartiges Hörerlebnis lässt sich kaum in Worte fassen. Eines indes ist jedoch klar: der Stoff ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Allein schon die Handlung ist doch recht speziell. Hasstiraden und Unmengen an Schimpfwörtern schlagen einem auch diesmal wieder aus den Boxen entgegen. Manch einem mag das zuviel sein, doch bei Caine gehört derartiges einfach zum "guten Ton". Alles andere wäre schlicht unpassend und würde wohl auch schnell der Glaubwürdigkeit die Substanz nehmen. Wenn man es mit dem schlimmsten Schlächter einer außerirdischen Welt zu tun bekommt, dann muten blumige Wortwahl und konstruierte Satzkonstruktionen schlicht grotesk an. Es gibt wohl nicht viele Hörspielserien, bei denen folgender Leitspruch derart passend erscheint (wenn möglicherweise auch etwas überspitzt gesprochen): Entweder man liebt die Serie oder man hasst sie.
Ein Hörspiel, das absolut nicht(!) in Kinderhände gehört! Die Altersempfehlung ab 15 sollte man dringendst ernst nehmen.
Die eingesetzte Musik passt perfekt zur Machart der Serie. Ruhige Klänge gibt es hier nicht. Hektik ist Programm. Und vielleicht macht gerade das in Zusammenhang mit der Gesamtumsetzung des Stoffes das besondere der Serie aus. Solches habe ich bislang in dieser Art und Weise bei noch keiner anderen Serie erlebt. Effekte, Musik und Sprecher verschmelzen förmlich zu einer großen Masse, zu einem großen Ganzen. Am Ende gibt es als Bonus den Song "Meaningless" von "MNEMIC", welcher sich perfekt zum vorangegangenen fügt. Es sollte also klar sein, was einen hier in etwa erwartet.
Wo ich die Sprecher gerade schon erwähnt habe:
Torsten Michaelis IST Steven Caine. Wie er die Rolle auslebt ist einmal mehr gigantisch. Lutz Riedel als Kartaan tritt diesmal etwas zurück, aber wenn er mal da ist, mit einer beängstigend(gut)en Leistung. Mr. Mafiaboss Vulgär Moretti (Kaspar Eichel) darf auch diesmal wieder jede Menge - um es mal auf dem entsprechenden Sprachniveau auszudrücken - 'gewichste Scheiße' von sich geben. Claudia-Urbschat Mingues bereitet aber mindestens genauso viel Spaß. Bei Lausch braucht man eigentlich grundsätzlich sowieso keine Angst haben; Ausfälle gibt es dort nicht. Günter Merlau zeichnet sich nicht nur für das Drehbuch, die Produktionen, etc. verantwortlich, sondern spricht selbst mit und auch wenn seine Rolle nur klein ist, so kann man doch erkennen, dass Merlau auf alle Fälle das Talent hat zu den Großen der Szene zu gehören.
Fazit: Höchstpunktzahl - absolut keine Frage. Was Lausch hier serviert ist schlicht und ergreifend der Wahnsinn - oder sollte man angesichts der Thematik sogar sagen: wahnsinnig. Die dritte Folge ist ein Kunstwerk - ein umwerfendes Bildnis - komponiert aus einer rasenten, verstörenden und zugleich genial-kranken Story, einzigartigen Überblendungen, rasanten Schnitten, einem spitzenmäßigen Sprechercast, einer verdammt mitreißenden Handlung und nicht zuletzt einem mehr als passenden Score. Bei der Qualität der aktuellen Lausch-Produktionen gehen einem früher oder später endgültig die Superlative aus. Wer die ersten beiden Folgen schon mochte, der MUSS hier zugreifen. Selbst wenn (einziger Kritikpunkt) die Handlung kaum voranschreitet. Dafür gibt es aber interessante Einblicke in die Vergangenheit.
Note 1+

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