Wildernacht wurde im Vorfeld vom Hörverlag auf recht geheimnisvolle Art angekündigt. Mit Aufrufen wie "Stoppt Wildernacht!", ohne dass man zu diesem Zeitpunkt genau wusste, was dahintersteckt, hat man gekonnt neugierig gemacht.
Auch die ersten Minuten dieses Hörspiels vermögen dies zu tun. Als Hörer wird man vom Erzähler Michael Klondeik ziemlich direkt angesprochen. Sein großes Anliegen ist es, die Geschichte in den Tagebüchern von Anfang bis zum Ende niederzuschreiben.
Was uns Michael hier anfangs erzählt, wirkt nicht selten grotesk und unzusammenhängend. Er lässt hier alles mögliche an unbekannten Begriffen und nicht leicht zu assoziierenden Schilderungen auf die Hörer einprasseln.
Man spürt, dass wir uns hier inmitten eines Tagebuchs befinden, in welchem der Erzähler seinen Gedanken völlig freien Lauf lässt. Mit der Konsequenz einer sehr wirr erscheinenden Kette an Ereignissen. Unterliegt man hier dem Vorstellungswahn eines geistig verwirrten oder nur eines extrem fantasiereichen Mannes oder aber tun sich tatsächlich Grenzen zwischen der unseren Welt und derjenigen um Wildernacht auf?
Womit anfangs noch Neugier geweckt werden kann, ermüdet man die Hörerschaft mit der Zeit zunehmend. Während die an die Arthus-Saga angelehnten Blicke in die fremde Welt am ehesten Interesse zu wecken vermögen, ist vor allem der Antrieb für Michaels Erlebnisse in der unseren Welt extrem undurchsichtig. Die Aneinanderreihung von zum Teil völlig unzusammenhängend wirkenden Erlebnissen und Gedanken ist in hohem Maße anstrengend. Spannung allerdings vermag man damit nur spärlich zu wecken. Und so tritt als Folge statt einer sich steigernden Neugier der Umkehrfall ein.
Erik Borner ist die Besetzung für Michael Klondeik, dem Schreiber der Tagebücher und damit Erzähler dieser Geschichte. Seine Darbietung gefällt. Das ist ohne Zweifel von Vorteil, da seine Rolle nahezu neunzig Prozent des ganzen einnimmt. Auch wenn sich das ganze selbst als Hörspiel bezeichnet, so drängt sich über weite Strecken vielmehr der Eindruck auf, es mit einer inszenierten Lesung zu tun zu haben. Gerade in der Anfangszeit, greift der Erzähler auch Dialoge in Form indirekter Rede auf und verhindert damit die für Hörspiele eigentlich so typische Aufteilung von unterschiedlichen Rollen. Dies geschieht nur bei einigen wichtigeren Figuren, aber auch dort verhällt man sich inkonsequent. Vor allem, wenn der Erzähler in die Dialoge eingreift, indem er hier und dort ein "sagte xy" anhängt, läuft dies dem Medium Hörspiel völlig entgegen.
Die Hörspielanteile nehmen in der zweiten Hälfte zwar zu, doch aufgrund der Inkonsequenz in der Inszenierung geht viel an Lebendigkeit verloren. Es entsteht ein Brei zwischen inszenierter Lesung und Hörspiel, der die Besonderheiten der Geschichte nur schwer herauszukristallisieren vermag. Das wiegt vor dem Hintergrund der ohnehin schon ziemlich anstrengenden Story doppelt schwer.
Als ähnlich breiig kann man die Untermalung bezeichnen, die nichtsdestotrotz ein insgesamt deutlich stimmigeres Bild hinterlässt. Denn dieser Teppich schafft mit eher leiser Musik und größtenteils passenden Geräuschen eine düstere und bedrohliche Grundstimmung.
Neben Erik Borner finden sich in den weiteren Rollen eher bekanntere und unbekanntere Sprecher in den einzelnen Rollen wieder, von denen neben diesem keiner so wirklich herausstechen kann. Als etwas störend empfand ich vor allem den Umstand, dass die Kinder nicht wirklich wie solche klingen.
Fazit: Wildernacht hat zwar anfangs etwas faszinierendes, allerdings findet man dennoch nur mühselig in die Geschichte. Je mehr Zeit vergeht und sich der Nebel nicht wirklich lichtet, desto anstrengender wird das ganze. Letztlich kommt es aufgrund der arg wirren Struktur sogar soweit, dass das Interesse zwischenzeitlich gar gänzlich zu erlöschen droht. Zumindest ging es mir so. Als Hörspiel funktioniert das ganze auf diese Weise meines Erachtens jedenfalls nur sehr bedingt.
Wer sich auf ein sehr, sehr, sehr spezielles Hörspiel einlassen will, der möge trotzdem zumindest mal ein Ohr riskieren.
Note 4+

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