Blickt man auf den geplanten Veröffentlichungsoutput der nächsten Monate, dann scheint das Team Undercover richtig Gas zu geben. Am spannendsten war für mich allerdings diesmal die Frage, ob sich dies denn auch in einem qualitativen Vorwärtssprung manifestiert.
Wir erinnern uns. Das größte Problem der Auftaktepisoden war vor allem das Abstimmungsproblem bei den Dialogen, welches dazu geführt hat, dass diesen oftmals Natürlichkeit und Lebendigkeit gefehlt hat. Da ist es natürlich sehr erfreulich, berichten zu können, dass diese Probleme diesmal so gut wie nicht mehr vernehmbar sind.
Somit hat man die ersten großen und ziemlich störenden Kinderkrankheiten schon mal aus dem Weg geschafft.
Anne, Freddy und Nick sind dabei die Sakristei zu rennovieren, um sie für ihre Zwecke nutzbar zu machen, als der Pfarrer der Gemeinde sie um Hilfe bittet. Er macht sich Sorgen um eine ältere blinde Frau, die seit dem Tod ihrer Schwester allein in einem großen Haus lebt und sich immer mehr zurückzieht und dadurch immer unsicherer wirkt. Für die drei ist es keine Frage, dass sie der alten Dame beistehen. Bei ihrem Besuch wird schnell deutlich, dass hier jemand ein teuflisches Spiel mit der blinden Lady treibt.
Eine Geschichte, wie man sie ganz ähnlich in vielen anderen Jugendserien in allen möglichen Variationen schon mehrfach gehört hat. Dass man dieses Strickmuster so oft antrifft dürfte mit daran liegen, dass es in seinem Aufbau leicht zu handhaben ist und dennoch eine Menge Potential bietet. Mit den immer wieder eingestreuten nächtlichen Spukmomenten gelingt es überraschend gut Atmosphäre und Spannung aufzubauen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil das ganze akkustisch unerwartet gut inszeniert wurde. Die in jenen Momenten geschaffene Spannung überträgt man allerdings zu wenig auf die Ermittlungen des Dreierteams, so dass sich über weite Strecken eine ziemlich ruhige und unaufgeregte Handlung abspielt, die an vielen Stellen etwas zu lang geraten ist. Einiges hätte man so zugunsten eines mitreißenderen Erzähltempos getrost abkürzen dürfen. Die Befragung in der Metzgerei beispielsweise ist nämlich wahrlich nicht mehr als unbedeutsames Füllmaterial.
Bei einer Jugendserie, die sich neu auf dem Markt etablieren will, muss man zwangsläufig auch nach Besonderheiten respektive Alleinstellungsmerkmalen fragen. Leider bietet die Reihe bislang aber kaum derartiges, so dass das sie momentan noch zu sehr im Brei der bereits zur Genüge ganz ähnlich vorhandenen und bereits etablierten Serien untergeht.
Die Geschichte weckte bei mir schon ziemlich starke Assoziationen zu den Folgen "Insektenstachel" und "Stimmen aus dem Nichts" der Reihe "Die drei ???". Dazu kommt, dass die drei Hauptfiguren längst noch nicht diese Prägnanz inne haben, wie es von den Machern womöglich angedacht war. Und damit sind wir bereits beim nächsten größeren Kritikpunkt angelangt.
Die drei Hauptsprecher klingen für ihre Rollen deutlich zu alt. Die Jugendlichen nimmt man ihnen nur schwer ab. Problematischer erweist sich allerdings, dass sie noch immer etwas zu steif agieren und die Hörer damit längst nicht so in ihren Bann schlagen können wie das bei vielen Konkurrenzserien der Fall ist. Am besten gefällt mir weiterhin immer noch Tobias Diakow als Nick, obgleich auch dieser etwas blass bleibt.
Angetan war ich dagegen von den meisten Sprechern in den größeren Nebenrollen. Insbesondere von Ingrid Mülleder als Frau Ildebrandt.
Gefallen hat mir ebenso die entspannt-ruhige musikalische Untermalung, der man unter allen Aspekten dieser Hörspielreihe bislang am ehesten so etwas wie ein eigenes Gesicht bescheinigen kann.
Fazit: Noch wechseln sich Licht und Schatten ab. Zum einen hat man es mit einem prinzipiell guten Plot zu tun, der allerdings etwas zu wenig an individuellen Ideen bereit hält, so dass es schwer sein dürfte, sich damit gegen die bereits zur genüge vorhandene Konkurrenz zu behaupten. Das Drehbuch bietet sowohl einiges an wirklichen spannenden Momenten, verliert sich in anderen Phasen aber etwas zu sehr in eher belanglosen Ermittlungen.
Die größten Probleme bei den Dialogen hat man gottseidank behoben, allerdings bleiben ausgerechnet bei den drei Hauptsprechern weiterhin spürbare Schwächen zurück.
Nichtsdestotrotz: insgesamt ein sehr hörbarer Jugendkrimi und mit weiterer harter Arbeit gelingt es vielleicht tatsächlich, die Reihe schon bald zu einer gewissen Größe in diesem Segment anwachsen zu lassen. Warten wir es mal.
Note 3+

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