Die Cuthberts-Geschwister beschließen ein Waisenkind zu adoptieren. Der Junge soll Matthew beim bestellen des ländlichen Betriebs helfen. Doch als Matthew am Bahnhof vorfährt, stellt er verwundert fest, dass gar kein junge angekommen ist. Stattdessen erwartet ihn freundlich lächelnd ein Mädchen mit roten Haaren und einem Gesicht voller Sommensprossen. Eine Verwechslung. Was nun?
Bereits die ersten Minuten offenbaren das recht gemächliche Erzähltempo, das sich eigentlich über die gesamte Laufzeit von 65 Minuten erstreckt. Während ich mir anfangs nicht wirklich sicher war, ob der Folge nicht das Ertrinken in der Langweiligkeit droht, hat sich dieser Eindruck immer mehr gelegt und schlussendlich einem recht amüsantem Hörvergnügen Platz gemacht.
Für jedermann ist die Serie aber wohl nicht. Was Klappentext, Inhaltsangabe und ähnliches bereits suggerieren, bestätigt sich auch inhaltlich. Den Herren der Schöpfung, die sich in erster Linie bei knalliger Action und wohligem Grusel wohlfühlen, dürfte dies alles deutlich zu mager sein. Denn viel passiert insgesamt nicht.
Lässt man aber den etwas zähen Einstieg weg, so dürfte die eigentliche Zielgruppe sicherlich nett unterhalten werden. Es finden sich einige schöne Ideen wieder, zudem die ein oder andere schwierige Situation und nicht zuletzt recht unterschiedliche Charaktere.
Womit wir bereits beim nächsten Punkt angelangt werden. Nicht nur der Hörer fragt sich wohl, wie jemand nur so viel und so lang am Stück reden kann, dass man sich einerseits zwar genervt fühlen müsste, das alles andererseits aber so einen liebreiz und eine unbescholtenheit ausstrahlt, dass man dazu nur schwer in der Lage ist. Marie Bierstedt mag man für die Rolle der elfjährigen Anne zunächst etwas alt halten, für meine Begriffe macht sie ihre Sache erstaunlich gut. Vor dem Hintergrund, dass sie den Charakter noch über einen längeren Zeitraum, in dem sich Anne von einem jungen Mädchen zu einer erwachsenen Frau entwickeln soll, sprechen wird, macht diese Besetzung ohne Frage Sinn. Zumal es an ihrem spielerischem Talent ohnehin nicht den geringsten Zweifel gibt.
In weiteren Rollen bekommt man Sprecher zu hören, denen einige wohl schon mal beim Titania Gruselkabinett begegnet sein dürften: Dagmar von Kurmin als Marilla Cuthbert, Jochen Schröder als ihr Bruder Matthew. Sehr gut zu gefallen wissen zudem Lutz Mackensy als Erzähler. Vorzügliche Sprecher und Sprecherleistungen. Anders ist man es von Titania nicht gewohnt. Da macht selbst mir die Serie viel Spaß, obgleich ich mich nun wahrlich nicht zur eigentlichen Zielgruppe zählen kann.
Gelungen ist ebenfalls die Musikuntermalung. Dazu muss man wohl gar nicht viel schreiben, wer Titania kennt und sich in Bezug auf die Serie eine bestimmte Erwartungshaltung aufgebaut hat, der dürfte wissen, wie es in diesem Bereich aussieht.
Fazit: Der Anfang schleppt sich noch ein bißchen dahin, vor allem deshalb weil man eigentlich bereits vorher weiß, was nun genau folgen wird. Das Lauschen macht im weiteren Verlauf aber immer mehr Spaß. Insbesondere durch die Sprecher erwacht diese Geschichte zum Leben. Letztlich stimmt die Serie damit bislang haarscharf mit meinen Erwartungen überein. Sehr blumig, inhaltlich sehr überschaubar, aber dennoch schöne Unterhaltung, insbesondere für die jüngere weibliche Hörerschaft.
Note 2

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