Nur wenige Wochen nach ihrem Einzug auf Green Gables, ist für die Cuthberts das Leben ohne die kleine Anne fast gar nicht mehr vorstellbar. Recht schnell findet sich das vor Fantasie nur so strotzende Mädchen in der neuen Umwelt zurecht. Wirkt ihr Verhalten auf die Erwachsenen bisweilen noch etwas sonderbar, schließt sie mit gleichaltrigen schnell Freundschaft. Insbesondere Diana hat sie ins Herz geschlossen. Die Zeit verfliegt und damit auch die Sommerferien. Die Schule steht an, und obgleich Anne wahrlich keine schlechte Schülerin ist, entwickeln sich schnell die ersten Probleme.
Obgleich Anne durch ihre Plappereien und ihren Sturkopf schon unglaubliches Nervpotential besitzt, kommt es dennoch nicht dazu, dass man nicht mehr weiterhören könnte. Vielmehr befindet man sich in der ganz gleichen Situation wie die Erwachsenen Protagonisten dieser Serie. War Folge eins noch sehr gemählich, schreitet das zweite Hörspiel doch etwas zügiger voran. Vor allem deshalb, da sich Anne so einige Probleme aufhalst, sei es in der Schule, bei der Mutter ihrer besten Freundin oder mit ihren eigenen Adoptiveltern. Zu viel in Bezug auf das Inhaltliche darf man allerdings auch nicht erwarten, der Erzählstil ist weiterhin eher ruhigerer Natur, was bei dieser Serie aber treffend ist. Die inhaltlichen Fortschritte sorgen ohne Zweifel dafür, dass man noch ein wenig leichter in das vorliegende Hörspiel eintauchen kann als beim Erstling.
Über eines muss man sich bei dem ganzen im klaren sein. Anne ist in erster Linie eine Serie für jüngere Mädchen und zudem bereits 100 Jahre alt - entsprechend fließt auch der Kitsch aus allen Ecken und Kanten.
Wie immer legen die Titanen wert auf einen vorzüglichen Sprechercast. Zu den bereits in Folge eins in Erscheinung getretenen Personen gesellen sich beispielsweise Uschi Hugo, welche Annes Busenfreundin Diana Berry spielt, Simon Jäger als Klassenkamerad Gilbert, der immer wieder versucht sich Anne zu nähern, welche ihn aber partout ignoriert. In weiteren Rollen finden sich Dennis Schmidt-Foß als Lehrer Mr. Philips sowie Petra Barthel als Mrs. Barry wieder.
Marie Bierstedt ist als Anne Shirley einfach die perfekte Besetzung. Sie versteht es vorzüglich sich so in die Rolle hineinzuleben, dass man irgendwann sogar gänzlich vergisst, es mit Marie Bierstedt zu tun zu haben. Lutz Mackensy passt als Erzähler ebenso wie die Faust aufs Auge. Mit Jochen Schröder und Dagmar von Kurmin hat man zudem wunderbare Stimmen für die Rollen der Cuthbert-Geschwister gefunden.
Der Musikeinsatz fällt dezent, aber stimmig aus. An der ein oder anderen Stelle vielleicht nicht ganz so opulent, wie man es von Titania sonst vom Gruselkabinett her gewohnt ist, das dürfte aber einfach mit dem zugrunde liegendem Stoff zu tun haben. Jedenfalls hat man keine großen Probleme sich in die entsprechende Zeit zurückzuversetzen - eine der vorzüglichsten Fähigkeiten von Stephan Bosenius und Marc Gruppe.
Fazit: Inhaltlich stärker als Folge eins und man kann durchaus behaupten, dass sich die Serie langsam aber sicher entwickelt und dadurch zunehmend interessanter wird. Der Sprechercast fällt exzellent aus und auch sonst wirkt hinsichtlich der Produktion alles stimmig.
Note 2+

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