Titania Medien hatte bereits im Rahmen ihrer Krimi-Klassiker-Reihe einmal Sherlock Holmes Abenteuer vertont. Nun aber gönnt man dem wohl bekanntesten Detektiv Londons eine eigene Serie mit dem Subtitel „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“. Natürlich sind trifft man auch hier wieder auf die gleiche Besetzung in den Hauptrollen.
Der Titel des ersten Falles deutet es bereits an: man hat sich hier einer bereits oft beackerten Thematik angenommen. Den Ripper-Morden nämlich. Eine Geschichte, die viele somit bereits kennen dürften und die man hier nur in Details für die eigenen Zwecke angepasst hat.
Los geht es auf den nächtlichen Straßen Londons. Dort treiben sich einige verwaiste weibliche Wesen auf der Suche nach Geld herum. Auch Dr. Watson ist an diesem Tage in Whitechapel unterwegs und spricht mit Annie Chapman, die nur wenig später dem Ripper in die Hände fallen soll, der seine Opfer bestialisch zurichtet.
Aus diesem Grund erhält Sherlock Holmes eines Tages auch Besuch von Inspektor Abberline, der Watson zu sprechen wünscht. Doch Holmes weiß nicht, wo sich dieser zurzeit aufhält und ist vom Besuch des Inspektors zunächst wenig angetan. Auch zeigt er keinerlei Interesse, sich des Ripper-Falles anzunehmen. Dennoch macht er sich aber schließlich auf die Suche nach seinem Freund Watson – und findet ihn...
Dass man sich zum Start dieser Reihe ausgerechnet eines bereits so oft bearbeiteten Themas annimmt, verwundert mich doch etwas. Vielleicht erhofft man sich aber gerade davon ein verstärktes Interesse seitens der Käufer.
Einerseits bietet der Umstand, dass die Geschichte in seinen Grundzügen bereits bekannt ist, natürlich die Möglichkeit den Fokus stärker auf Holmes, Watson und Abberline zu richten und diese so etwas besser kennenzulernen. Andererseits sind auch diese Personen den meisten Hörern sicherlich schon bestens bekannt.
Natürlich ist der Verlauf der Geschichte in seinen Details doch anders als bisherige Vertonungen dieses Stoffes, jedoch bleiben letztlich nicht viele Aspekte, die einen als Hörer überraschen können. Und auch dieses Hörspiel liefert am Ende keine Antwort darauf, wer sich denn hinter der Maske des Rippers verbirgt – und das ist schon ein klein wenig enttäuschend, denn letztlich wartet man ja doch genau darauf. Aber vielleicht ist es tatsächlich besser so als wenn man sich eine Lösung ersonnen hätte, die dafür nicht überzeugend genug ausgefallen wäre.
Dass man inhaltlich nichts wirklich neues erzählen kann, halte ich für den Start einer neuen Serie für nicht ganz optimal. Erwähnen sollte man zudem, dass Holmes auch so gut wie keine aktiven Nachforschungen betreibt. Wie er selbst am Ende feststellt, agiert er hier eher als Beobachter der Ereignisse.
So kommt es auch, dass das Hörspiel insgesamt doch eher dialoglastig erscheint. Das ist etwas, das man z.T. auch vom Gruselkabinett her bereits von Titanias Drehbuchbearbeitungen her kennt. Den einen mag das mehr stören, den anderen weniger. Auch wenn ich gestehen muss, gegen ein paar Kürzungen hier und da nichts einzuwenden gehabt hätte, so vermittelt die Dialogführung in dieser Ausführlichkeit doch eine Gediegenheit, die man letztlich irgendwo auch mit Holmes verbindet.
Da es zudem auch einige ereignisreichere Momente gibt (beispielsweise die Verfolgung des Rippers in den Gassen von Whitechapel), stellt sich insgesamt keine Langeweile ein. So richtig gepackt hat es mich andererseits aber auch nicht.
Die akustische Umsetzung lässt sich hinsichtlich ihrer Qualität gut mit dem Gruselkabinett vergleichen. Auch hier handelt es sich um eine Erzählung aus dem vorvorigen Jahrhundert, die entsprechend eine eigene Atmosphäre aufweist. Und dass man diese bei Titania Medien stets gut umzusetzen weiß, hat man ja nun wahrlich schon oft genug bewiesen. Und das gelingt mit der Auswahl der Stücke diesmal sehr gut.
In den Hauptrollen hört man Joachim Tennstedt als Holmes und Detlef Bierstedt als Watson. Bei letzterem hatte ich zwar etwas bedenken, ob er in die Rolle passen würde, jedoch gefällt mir das Duo ziemlich gut. Zu den beiden gesellt sich noch Regina Lemnitz als Mrs. Hudson und Christian Stark als Abberline. Eine sehr gelungene Wahl.
Und auch die Nebenrollen können sich – wie man das von Titania Medien gar nicht mehr anders kennt – wunderbar hören lassen. Tolle Stimmen gepaart mit virtuoser schauspielerischer Interpretationskunst – da kann nichts schief gehen.
Fazit: Die neue Holmes-Reihe bietet hinsichtlich der Umsetzung eine Qualität wie man sich auch vom Gruselkabinett her kennt – nur, dass man sich hier eben inhaltlich im Krimisektor bewegt. Dass man sich zum Start des bereits sehr oft beackerten Ripper-Falles annimmt, kann ich zwar nicht ganz nachvollziehen. Schlecht ist das gebotene allerdings nicht, lebt aber weniger von einem hohen Tempo als vielmehr von der Atmosphäre. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass bei den Fällen noch einiges an Steigerungspotential da ist.
Note 2
