Beim abendlichen Nachhauseweg beobachten die Töchter der Familie Bull eine mysteriöse Gestalt in der Dämmerung, die jedoch genauso schnell wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist.
Und das ist kein Einzelfall. Denn in dem Haus der Familie spukt es immer öfters. Eine geheimnisvolle Kutsche ohne Insassen, eine Nonne, die am Bach entlang wandelt und urplötzlich verschwindet, Geisterstimmen und kalte Luftzüge aus dem Nirgendwo. Treibt hier ein Poltergeist sein Unwesen? Oder aber steckt doch eine ganz natürliche Ursache hinter allem?
Diese Frage sollen Sherlock Holmes und sein Begleiter Dr. Watson aufklären, die Referend Bull zur Hilfe ruft.
Auch der zweite Fall dieser Reihe stammt direkt aus der Feder von Marc Gruppe, der hier eine Geschichte erzählt, wie sie auch aus dem Gruselkabinett entsprungen sein könnte. Nur, dass es hier natürlich eine rationale Auflösung der Vorgänge gibt. Ansonsten aber sind die Parallelen doch erstaunlich. Beginnend bei der träumerisch-romantisch anmutenden Gruselatmosphäre über die starke Fixierung auf die Charaktere und damit entsprechend auch die Dialoge bis hin zur Darstellung der geisterhaften Erscheinungen.
Die Geschichte startet sehr unaufgeregt und nimmt sich für die Exposition reichlich Zeit. Dadurch ist das Tempo der Erzählung entsprechend entschleunigt. Das ändert sich im zweiten Teil des Hörspiels, in dem zwar die Ermittlungen noch immer vornehmlich mittels Befragungen vorgenommen werden, die man wahrlich nicht als hektisch bezeichnen könnte, jedoch die Handlung zunehmend an Schwung gewinnt.
Das Finale bietet dann leider nicht die ganz große Genialität Holmes, die man vor allem von Sir Arthur Conan Doyles Geschichten her kennt. Dazu ist die Geschichte letztlich auch etwas zu einfach gehalten. Es gelingt trotzdem die verschiedenen ungeklärten Aspekte zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzusetzen.
Neben Holmes und Watson, die auch im zweiten Abenteuer ein Duo abgeben, dem man nur allzu gerne lauscht, spielen hier verschiedene Mitglieder der Familie Bull eine entscheidende Rolle. Bei der Vielzahl an Personen ist es gar nicht immer so ganz leicht, die richtige Zuordnung vor allem bei den Töchtern im Kopf zu behalten. Mit Lutz Riedel als Referand und Tobias Nath als Harry hat man zwei recht markante Stimmen gewinnen können, die vor allem zum Finale hin so richtig aufdrehen dürfen.
Fazit: Ruhig und gediegen präsentiert sich die vorliegende Geschichte über weite Strecken, wobei es in der zweiten Hälfte insgesamt etwas besser gelingt, den Hörer zu interessieren. Vor allem das Finale ist schauspielerisch sehr gelungen, auch wenn ein klein wenig die für Holmes sonst so typische Brillianz im Schlüsse ziehen fehlt. Ansatzweise ist diese zwar vorhanden, aber nicht in der Qualität wie von Sir Arthur Conan Doyle gewohnt.
Note 2
