Titel-Details

» Einzelhörspiel » 000) Herr Lehmann
Cover - Herr Lehmann
Durchschnitts-Kurzwertung:

- / 15

» Herr Lehmann ist Kreuzberger. Kreuzberger sind Menschen, die einmal aus Schwaben oder dem Allgäu nach Berlin gekommen sind. Herr Lehmann ist aus Bremen und möchte eigentlich Frank genannt werden, aber das ignorieren seine Freunde. Denn bald ist sein dreißigster Geburtstag, und das ist fatal, weil man da langsam „beginnt, eine Vergangenheit zu haben, eine gute alte Zeit und den ganzen Scheiß.“

Sven Stricker gelingt mit diesem Hörspiel der fulminante akustische Entwurf von Sven Regeners Berlin der 80er Jahre. Mit allem, was dazu gehört: Tragik, Komik und dazwischen ein lakonischer Herr Lehmann.
» Produktion: Der Hörverlag
» Regie: Sven Stricker
» Musik: Jan-Peter Pflug, Sven Stricker, Kay Poppe feat. Keldy & Ake
» Buch/Script: Sven Regener

» VÖ: 2008-04-18
» eine Produktion von HörverlagWebseite des Labels
Dir fehlen zu dieser Produktion wichtige Daten oder dir ist ein Fehler aufgefallen? Dann schreibe uns eine kurze Mail an: content[at]hoerspieleportal[.]de

Kritik / Höreindruck von Daniel M.

Einzelhörspiel (000) Herr LehmannEnde der 80er Jahre durchzieht noch immer die Mauer Berlin. Alltag für Leute wie Frank Lehmann, die sich um die DDR normalerweise nicht allzuviele Gedanken machen. Es sei denn, es steht gerade elterlicher Besuch an, der extra aus Bremen quer durch die sozialistische Republik in den westlichen Teil Berlins einreisen will. Doch das ist nur eines der Probleme, die Frank Lehmann plagen.
Von den meisten wird er schlichtweg Herr Lehmann genannt. Wie es dazu gekommen ist, weiß er selbst nicht genau und es ist ihm egal. Man kann sich an vieles gewöhnen. Die Assoziation dieses Titels reicht vom einfachen älteren Herrn bis hin zum hochstehenden Würdenträger. Frank Lehmann ist keins von beidem. Er verbringt die meiste Zeit seines Lebens hinter dem Tresen, schenkt Bier und Schnaps aus.
Ob er das als Lebensinhalt ansieht? Auf diese und ähnliche Fragen hat er seine ganz eigenen Antworten parat. Genau in diesen Momenten zeigt sich deutlich, dass Herr Lehmann kein Allerweltstyp ist und Gefahr läuft mit seinem Auftreten an gesellschaftliche Kanten zu stoßen. Das merkt er auch selbst, doch das ändert nichts. Aus seiner Haut kommt er nunmal nicht heraus.

Wunderbar gelingt es Sven Stricker in dieser Produktion den Charakter von Frank Lehmann in seinen vielen Facetten darzustellen. Dabei bedient er sich einer gelungenenen Mischung aus Innensicht, Erzähler, während die in der Umwelt ablaufenden Geschehnisse zeitlich parallel dargestellt werden. Lautestärkeanpassungen sind nur eines von mehreren Stilmitteln, um das gewünschte Ziel zu realisieren. Das schafft eine recht hohe Erzähldichte, da auf den Höre gleich immer mehreres auf einmal einstürzt, doch wird dies zu keinem Zeitpunkt zum Problem.
Die Erzählung verzichtet auf eine lineare Handlung im typischen Sinne. Eine Gliederung in Form von Einleitung - Haupteil mit anwachsendem Spannungsbogen und abschließendem Ende wird man hier vergeblich suchen. Die erste Szene ist die Begegnung Herrn Lehmanns mit einem Hund. Nachts, der Hund bissig und latent aggressiv. Geht es um Spannungsmomente? Nein. Diese Produktion schafft die Unterhaltungsmomente auf gänzlich andere Art und Weise. Situationskomik, Groteske und witzig aufgezogene Dialoge sorgen für hohen Hörspaß. Nicht zuletzt sorgt der Protagonist selbst mitsamt seinem Umfeld immer wieder für den nötigen Spaß beim Hören.
Die Lachmuskeln werden immer wieder beansprucht, allerdings nicht überstrapaziert. Dazu ist diese Art Erzählung nicht geschaffen. Im Mittelpunkt steht eine Art von Lebensgefühl, die ihren Ausdruck ebenso in der gewählten Musikakzentuierung findet. Musikacts von Bands sorgen für lockeren Stil. Garniert wird dies durch die von Produzentenseite beigefügten Klänge zur Untermalung von Szenen. Kneipenmusik heißt es im Inlay.
In diesem Zusammenhang sei auch die Geräuschkulisse lobend erwähnt. Sven Stricker schafft ein schon fast optimales Arrangement, das zu jedem Zeitpunkt realistisch und stimmig erscheint.
Die anfängliche eher unbeschwerte, wenngleich sicherlich von gewissen Problemen geprägte - wobei man diese als recht normal, fast schon harmlos und künstlich aufgebauscht bezeichnen möchte - Stimmung wandelt sich in der zweiten Hälfte. Die Ernsthaftigkeit geht mit Schwermut einher, die sich zunehmend auf den Erzählton auswirkt, der nach wie vor extravagant, aber nicht mehr so locker ausfällt.
In all diesem privaten "Trubel" bleibt Herrn Lehmann gar keine Zeit, die unterdessen ablaufenden politischen Veränderungen zu realisieren. Dass das Ende der DDR ansteht, bekommt er eher zufällig mit. Ein allerletzter Fingerzeig, der den Charakter Lehmann klar eingrenzt.
Das Hörspiel mit einer Laufzeit von knapp zwei Stunden endet recht unspektakulär mit einem offenen Ende, das in dieser Art und Weise - mit der folgenden musikalischen Überblendung - absolut treffend gewählt ist.

Sprecher: Eine großartige Darbietung bekommt man in diesem Hörspiel von allen Sprechern geboten. Da gibt es absolut keine Fehltritte. Richtig grandios agieren aber insbesondere Florian Lukas als Herr Lehmann und Florian von Manteuffel als Erzähler, die sich hier die Karten gegenseitig zuspielen. In dieser Form einmalig zu hören. Herausstechend auch Uwe Hügle als "Schwoab" und Kneipenbesitzer Erwin sowie die Frau hinter der umfangreichsten weiblichen Sprecherrolle, nämlich Sonsee Neu. Ein im Hörspielbereich selten gehörter Name, was schade ist.

Digi-Pack mit jeder Menge Zusatzinfos. Sehr chic. Standard für den Hörverlag.

Fazit: Ein Hörspiel, das mir viel Vergnügen bereitet hat. Es fehlt manchmal einzig eine etwas stärkere Bindung des Hörers an das Geschehen, ansonsten spielt diese Produktion auf einem sehr hohem Niveau. Ein schöner Stoff, der erstklassig aufbereitet wurde. Nicht anders kennt man es vom Hörverlag und im speziellen von Sven Stricker. Wer Unterhaltung abseits des Gruselwahns sucht, der sollte sich einem solchen Hörspiel auf jeden Fall mal zuwenden.

Note 1-


4


1 von 1 Besuchern fanden diese Rezension hilfreich. Und du?

Ja Nein



Sprecher



Hörer-Meinungen zur Folge

Jetzt deine Meinung zu dieser Produktion schreiben (Keine Registrierung nötig)
Name:
E-Mail: (wird nicht veröffentlicht)
Website: http:// (optional)
Deine Wertung: (optional)
Dein Kommentar:
Spamfilter Ergebnis der folgenden Rechnung: 2 + 4 + 4 = ?



Hinweis: Datenschutzrichtlinien.

» Hörer-Meinungen (0)
Durchschnittliche Userwertung: 0 | User-Top-Liste

RSS-Kommentar-Feed für dieses Hörspiel
RSS-Kommentar-Feed für alle Hörspiele



Kritiker-Spiegel

Kritiker-Rezension hier verlinken
Du betreibst selbst eine Rezensionsseite? Oder du bist auf eine interessante Kritikermeinung gestoßen? An dieser Stelle kannst Direktlinks zu Rezensionen weiterer Kritikerseiten hinzufügen. Diese werden nach kurzer Überprüfung durch die Redaktion freigeschalten.
Du erhältst eine Mail, sobald dein Link freigeschaltet wurde.
Wir freuen uns natürlich auch, wenn du unsere Rezension auf deiner Seite verlinkst (was jedoch nicht Vorraussetzung für die Aufnahme eines Links ist).

Rezensionsseite/Rezensent
Direktlink zur Rezensionhttp://
Wertung z.B. 5
von maximal z.B. 15
Deine Mailadresse (wird nicht veröffentlicht)
Spamfilter (Ergebnis der folgenden Rechnung: 2+2=?)


hoerspiel3 @ Twitter

Folge unseren Updates auf Twitter.

Gratis Hören!

Finde hier eine umfangreiche Liste von Hörspielen und Lesungen zum gratis hören auf Spotify!




Bei Amazon bestellen

Wenn du unsere Seite unterstützen möchtest, bestelle deine Hörspiele oder Hörbücher schnell und bequem bei Amazon:

Hörer-Meinungen

Mitschnitt - Haus am See | Kommentar von ascods9

Ordensschwester Amelie - Rachsucht | Kommentar von Frank

Die Originale - Die Flusspiraten des Mississippi | Kommentar von Marc Hairapetian

Die Originale - Die Flusspiraten des Mississippi | Kommentar von Marc Hairapetian

Einzelhörspiel - Der blaurote Methusalem | Kommentar von Marc Hairapetian

Einzelhörspiel - Der blaurote Methusalem | Kommentar von Marc Hairapetian


Neueste Aktivität

10.12.2018 - 20:12: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: TKKG - In den Klauen des Tigers

06.12.2018 - 21:05: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: Einzelhörspiel - Der Polarforscher

05.12.2018 - 09:33: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: Die Teufelskicker - Spielerin im Abseits

03.12.2018 - 16:32: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: Team X-Treme - Das Singapur-Komplott

01.12.2018 - 21:28: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: Doktor Morbius - Mein dunkles Geheimnis

28.11.2018 - 00:37: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: TKKG - Der Schatz in der Drachenhöhle

25.11.2018 - 05:00: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: Don Harris - Psycho Cop - Dämonicus

20.11.2018 - 01:45: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: TKKG - Kampf der Spione

19.11.2018 - 21:03: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: TKKG - Der Schatz in der Drachenhöhle

17.11.2018 - 11:14: Ein Besucher hat eine Rezension bewertet: Team X-treme - Die Bestie aus der Tiefe