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» Hörbuch » 000) Der Tag des Opritschniks
Cover - Der Tag des Opritschniks

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- / 15

» Russland, 2027: Das Land hat sich vom Westen abgeschottet, lebt allein vom Gas- und Ölexport, pflegt Handelskontakte nur noch mit China und wird vom »Gossudar«, einem absoluten Alleinherrscher, regiert. Dieser übt seine Macht mit Hilfe der Opritschniki, der »Auserwählten«, aus - einer Leibgarde, die vor keiner Bestialität zurückschreckt. Die Opritschniki sind in roten Limousinen unterwegs, mit Hundeköpfen an den Stoßstangen und Besen am Kofferraum - Symbole dafür, dass jeglicher Widerstand ausgemerzt wird. Zu dieser brutalen und korrupten Elite gehört auch Andrej, dessen Arbeitstag aus Auspeitschung von Intellektuellen und dekadenten Orgien besteht.
» Buch/Script: Vladimir Sorokin
» Umfang (CDs): 6
» ISBN: 9783785738900

» VÖ: 2009-04-14
» eine Produktion von Lübbe AudioWebseite des Labels
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Kritik / Höreindruck von Daniel M.

Hörbuch (000) Der Tag des OpritschniksRussland, im Jahr 2027.
Sonderlich futuristisch wirkt das Land nicht, wie wir feststellen, indem wir Andrej Danilowitsch bei seiner bedeutsamen Tätigkeit im Dienst der Opritschnina begleiten. Im Gegenteil: die Machtstruktur und Obrigkeitshörigkeit sowie die Abgrenzung von allen westlichen Einflüssen könnte kaum rückschrittlicher sein.

Die Erzählung um Andrej Danilowitsch Komjaga ist wahrhaftig ungewöhnlich. Und das nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die zum Einsatz kommenden Stilmittel. Diese stellen hier eine besondere Herausforderung an die Vertonung, doch dazu später mehr.

Die Opritschnina, das ist eine Organisation von Männern, die direkt dem Gossudaren untersteht, dem obersten Führer Russlands, und sich für diesen um besonders diffizille Aufträge kümmert. Sei es die Entmachtung von Familien, von Regimegegnern oder ähnliche Dinge.
Die Opritschnina ist zudem eine streng hierarchische Organisation mit dem "Alten" an der Spitze, die eng zusammensteht. Verfehlungen des eigens gesetzten Ehrenkodex werden hier nicht gedultet. Wer sich wie Andrej zum inneren Zirkel zählen darf, kommt zudem in den Genuss manch außergewöhnlich erquickenden Zeremoniels, von denen es an diesem einen besonderen Tag gleich mehrere geben soll.

Das ungewöhnliche dieser Erzählung findet sich bereits im gewählten Stil. Das Ganze ist im Prinzip eine umfangreichen Schilderung aus der Sicht einer einzigen Person im Präsens-Stil, vermengt mit den ganz persönlichen Ansichten, die für die nötige Würze in dem ansonsten nicht immer ganz leicht zu verdauenden Sammelsurium sorgen.
Einen einfach zu bewältigen Stoff hat uns Vladimir Sorokin hier wahrlich nicht vorgelegt. Wer nicht gerade ein Experte in Sachen Russland bzw. Sowjetunion ist, der dürfte gewiss nicht alle Anspielungen verstehen. Doch das macht gar nichts, denn um den Kern der Sache zu erfassen, reicht durchaus ein profundes Wissen über den geschichtlichen Werdegang der Gesellschaft im Osten aus. Die nächste ungewöhnliche Komponente ist das Einbinden von zahlreichen Gedichten, Liedern, dadaistisch anmutenden Rundfunkübertragen und Theaterstücken.

Und genau an diesem Punkt kommen wir zur bereits angesprochenen besonderen Herausforderung an die Inszenierung. Eine reine Lesung ist bei diesem Stoff eigentlich unvorstellbar. Rückblickend umso mehr, als man Stefan Kaminski erst einmal erlebt hat, wie er dem ganzen eine ganz besondere Art von Lebendigkeit einhaucht.
Man hätte das ganze auch nach Schema F umsetzen können, aber dies hätte letztlich wohl nur einen einzigen Effekt gehabt: den Hörer angesichts der ohnehin schon schwierigen Thematik und Stilistik schnell zu verschrecken oder aber anzuöden.
Den Weg, den Stefan Kaminski unter der Regie von Johanna Steiner einschlägt ist dagegen goldrichtig. Der Mann wird nicht umsonst als Stimmen-Morpher bezeichnet und so kommt es, dass diese Lesung streckenweise viel eher schon Züge eines Ein-Mann-Hörspiels aufweist. Was Stefan Kaminski hier abliefert kann man nur als genial bezeichnen. Allein schon seinetwegen ist dieses Hörbuch ein absolutes Pflichtprogramm.
Er spricht, er singt, er spielt - sogar Mengen werden durch das Übereinanderlegen von unterschiedlich gesprochenen Takes real. Allein die Routine, die Kaminski an den Tag legt, wenn es darum geht die russischen Namen (von denen man hier nicht gerade wenige hört) zu bewältigen, verdient große Anerkennung. Aber damit allein gibt sich Kaminski hier nicht zufrieden.

Fazit: Erst der Mann mit den 1000 Stimmen, Stefan Kaminski nämlich, macht diese Lesung zu einem besonderen Genuss. Der Stoff per se ist alles andere als einfach und in vielerlei Hinsicht sehr ungewöhnlich, übt aber nichtsdestotrotz eine ganz eigene Form der Faszination aus. Die sich aber ohne Kaminski so wohl nicht ergeben hätte. Deshalb wäre diese Lesung ohne Kaminski für mich überhaupt gar nicht vorstellbar.

Note 2+


4


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Sprecher

SprecherRolle
Stefan Kaminski Erzähler


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